© Alexander Kuiava /Nektar Digital Group LP
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Ying Wang — Schmutz

Das Gehör ist die Tür zur Seele. Eine Tür die immer offen steht. Aufnahmebereit. Passiv wie aktiv. Permanente auditive Überforderung als Resultat einer viralen Raum-Beschlagnahme. Kulturelle wie gesellschaftliche Bedingungen als Bezugspunkte einer Wahrnehmung in humanem Sinn werden medial geflutet und vereinheitlicht zu einem globalen monokausalen Entwertungssystem.Ethik, Moral und Kultur verschmiert vom geistigen Abfall einer selbstgefälligen Feudalgesellschaft. Gehirnwäsche als Akt einer totalitären Verschmutzungsfraktion. Verträumte Tralala und sexy Bum-Bum Ästhetik strömt aus der vordergründigen Bedürfnisanstalt degenerierter Suchtgemeinschaften.  Lautstarke Selbstinszenierung dominiert auf stylisch-linearen Wegen, Autobahnen der Fluchthelfer. Darunter das Leben. Ich. Vermüllt. Zugeschüttet. Verpestet. Ich drohe zu ersticken. An dieser kleinen tagtäglichen Unachtsamkeit.

An der ignoranten selbstgefälligen Entsorgung. Ich drohe zu verstummen unter den breitspurigen Laut-Sprechern. Plastik im Meer, Öl im Gefieder, Lärm im Ohr, Gift im Essen, Gestank in der Luft, Angst in den Gedanken. Dieses Netz der Belastungen, ausgelegt von jedem einzelnen, verbreitet sich stetig. Meine Musik erzählt von dieser Qual. Das Stück ist geschrieben für Solo-Violine und Ensemble.

Ausgangspunkt: das Individuum=Violine. Geburt. Ein Ton für sich. Im Leben. Im Einklang. Stabil. Stark im Wachsen und Ausbreiten. Jede Klangtextur wie ein unersetzbarer individueller Fingerabdruck. Vielfalt (Polyphonie) ist gewünscht. Aber Vergleiche machen unsicher. Im Aufeinandertreffen das Bedürfnis nach Harmonie. Ausgesetzt den inneren (Violine) und äußeren Verführungen (Ensemble). Neid und Hass erzwingen Anpassungen, die eher eine ästhetisierende Inszenierung der Persönlichkeit verlangen, als eine Entfaltung des Selbst zu ermöglichen. Außen Hui! Innen Pfui! Werbung suggeriert Perfektion.

Man nimmt teil. Ohne zu teilen. Man lernt auszuteilen. Die Industrieminute (Ensemble) beschleunigt das Zeitempfinden im exponentiellem Wachstum.

Die leeren Lehren der Politik, Religionen und der Medien (Ensemble) predigen elende Ungleichheit. Entweder Ausbeuter oder Ausgebeuteter. Gottmensch oder Untermensch. Gläubiger oder Ungläubiger. Ausgesetzt diesen Gewalten unterliegt die Ideologie. Kapitulation, Leichtsinn, Resignation. Der Mensch selbst wird zum Problemstoff. Umweltsünde über den Tod hinaus.
—Ying Wang, 2018

 in Werke
10 Mai 2019
19.30 Uhr
Wien, Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal AugenSchein Gruppenbild EA EA

Mit einer generationenübergreifenden Gruppenaufnahme beschließt das Klangforum seinen hörenden Blick auf die Gegenwart.

Friedrich Cerha — Kurzzeit
Rebecca Saunders — Neues Werk*
EA
Ying Wang — Schmutz EA
Georges Aperghis — Contretemp

Donatienne Michel-Dansac, Sopran
Dirigent: Julien Leroy



*Commissioned by Festival Acht Brücken | Musik für Köln with financial support from the Ernst von Siemens Music Foundation, Birmingham Contemporary Music Group & individual contributors to their 'Sound Investment Scheme', Huddersfield Contemporary Music Festival, Casa da Música Porto & Festival d'Automne à Paris.


Vor dem Konzert:
Fremde Ohren oder: Wie Musiker das hören,
18.30 Uhr

Konzertzyklus 2018/19
AugenSchein

13 Februar 2019
18.00 Uhr
Wien, Diehlgasse 51 impuls Academy and Festival Diskussion: Komposition und Interpretation
Freier Eintritt

Im Rahmen von "impuls" öffnet das Klangforum Wien seine Pforten für eine öffentliche Probe. Im Anschluss, diskutieren der Dirigent Ilan Volkov, die MusikerInnen des Klangforum Wien, sowie die - mit impuls Kompositionsaufträgen betrauten - KomponistInnen Nuno Costa, Timothy McCormack, Jungeun Park, Chris Swithinbank und Hakan Ulus darüber, welche Synergien, aber auch welche Schwierigkeiten sich im Austausch zwischen KomponistInnen und InterpretInnen ergeben können. Es moderiert Doris Weberberger.

Diskussion in englischer Sprache!


Chris Swithinbank — this line comes from the past (öffentliche Probe)
Fragerunde mit den MusikerInnen
Diskussion mit Ilan Volkov, den KomponistInnen und den MusikerInnen des Klangforum Wien

Dirigent: Ilan Volkov

Eine Veranstaltung von impuls in Kooperation mit mica - music austria und dem Klangforum Wien.

2 Mai 2019
20.00 Uhr
Köln, Trinitatiskirche Acht Brücken Festival Teeter-Totter UA UA UA

Rebecca Saunders verbindet Sound und Fury, Klang mit Wut. Und auch die Chinesin Ying Wang, die zeitweilig bei Saunders studierte, lässt in ihrer neuen Komposition keine Gefälligkeiten erwarten. »Lärm im Ohr, Gift im Essen, Gestank in der Luft, Angst in den Gedanken…. Meine Musik erzählt von dieser Qual.« Mit Georges Aperghis ließe sich ergänzen: »Es geht immer darum, eine Emotion zu zünden, …eine Struktur ins Wanken zu bringen.« So lassen »Seesaw« und »Teeter-Totter« keineswegs an Kinderwippen und Spielplatzfreuden denken, wie die Titel glauben machen, vielmehr findet sich das Orchester zu dramatischen Kontroversen aufgeschaukelt. Es steht einiges auf der Kippe beim Konzert des Klangforum Wien. (Acht Brücken Festival)

Georges Aperghis — SEESAW
      — Teeter-totter

Rebecca Saunders — Scar* UA
Georg Friedrich Haas — equinox UA
Ying Wang — Schmutz UA

Sophie Schafleitner, Violine
Dirigent: Julien Leroy

Die Komponistinnen über ihre neuen Werke:
Rebecca Saunders — Scar
Ying Wang — Schmutz


*Commissioned by Festival Acht Brücken | Musik für Köln with financial support from the Ernst von Siemens Music Foundation, Birmingham Contemporary Music Group & individual contributors to their 'Sound Investment Scheme', Huddersfield Contemporary Music Festival, Casa da Música Porto & Festival d'Automne à Paris.


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