© Sebastien Lavoire
© Sebastien Lavoire

Hakan Ulus — Tā Hā

Tā Hā (طه) ist der erste Vers der 20. Sure des Koran. Es handelt sich um zwei Buchstaben aus dem arabischen Alphabet, deren Exegese im koranischen Kontext durch die Islamwissenschaften nicht vollständig geklärt ist. Sie werden „abgetrennte Buchstaben“(ḥurūf muqaṭṭaʿa) oder – die metaphysische Kraft dieser betonend – die geheimnisvollen oder mystischen Buchstaben genannt. 29 der 114 Suren des Koran beginnen mit einer jeweils unterschiedlichen Buchstabenkombination. Ihre Funktion liegt – neben der strukturellen Funktion der Eröffnung der Suren – in ihrer akustisch-ästhetischen Qualität begründet. Die Rezitation dieser einleitenden Buchstaben ist kraftvoll, sie offenbart ein ästhetisches Erleben, das sich seiner metaphysischen Kraft bewusst ist: Der Koran wird durch die Rezitation als eine akustisch erfahrbare ästhetische Kraft aufgefasst, die explizit das Sensuelle betont und somit den perzipierenden Menschen fokussiert; die Rezitation ist den Prinzipien der Humanitas verpflichtet.

Die Koran-Rezitation ist mit ihrem hoch entwickelten Regelwerk (Tajweed) eine der anspruchsvollsten Gattungen der arabischen Kunstmusik. Im Tajweed werden Parameter wie Aussprache, Dauer, Atmung, Ornamentik und Zäsurensetzung im Detail festgelegt.

Meinem Werk Tā Hā, für großes Ensemble, liegt diese Sure in einer Rezitation durch Sheikh Shuraim – einem Vertreter des Murattal-Stils, welche eine schnelle und dichte Vortragsweise ist – zugrunde. Die Rezitation ist Inspiration und Ausgangspunkt. Ich habe die aus 135 Versen bestehende Sure auf ihr musikalisch-energetisches und ästhetisches Potential analysiert und die daraus gewonnenen Erkenntnisse künstlerisch verarbeitet. Dieser transkulturelle Ansatz, diese Hybridisierung ist relevant für mein gesamtes Werk.
—Hakan Ulus, 2018

 in Werke
15 Februar 2019
19.30 Uhr
Graz, Helmut List Halle impuls Academy and Festival Preisträgerkonzert 5 UA

Das Konzert präsentiert die Uraufführungen der PreisträgerInnen des impuls. Internationaler Kompositionswettbewerb und findet im Rahmen der impuls. 11. Internationale Ensemble- und Komponistenakademie für zeitgenössische Musik statt.

Nuno Costa — Lillar-D UA
Timothy McCormack — Sediment UA
Jungeun Park — Stained-echo UA
Chris Swithinbank — this line comes from the past UA
Hakan Ulus — TāHā UA

Dirigent: Ilan Volkov

Vor dem Konzert:
Composers´ Talk
mit Nuno Costa, Timothy McCormack, Jung-Eun Park, Chris Swithinbank und Hakan Ulus, 18.30 Uhr


Die KomponistInnen über ihre neuen Werke:
Nuno Costa — Lillar-D
Timothy McCormack — Sediment
Jungeun Park — Stained-echo
Chris Swithinbank — this line comes from the past
Hakan Ulus — Tā Hā


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