Zuschauer von „King Kong“, 1933
Zuschauer von „King Kong“, 1933

Jan van de Putte — Cette agitation perpétuelle, cette turbulence sans but

[Diese ewige Aufregung, diese Turbulenz ohne Ziel] Théophile Gautier

 

Eines der Sujets dieses Stücks ist unsere moderne Welt, in der alles schneller und schneller geht, gleichzeitig aber alles mehr und mehr still zu stehen scheint.

Ein Thema, das wir in der Literatur des Soziologen Hartmut Rosa (zum Beispiel Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne) vorfinden. Er beschreibt die Figur eines Mannes, der nachts schweißgebadet aufschreckt, weil er vergessen hat, eine E-Mail zu beantworten.

Eine Welt, in der der Tiefgang - richtig oder falsch - ihren Wert zu verlieren scheint und Platz macht für das „Surfen“ an der Oberfläche der Dinge (A. Baricco, Die Barbaren).

Das Stück besteht aus zwei wesentlich unterschiedlichen Teilen, die ineinander übergehen. Der erste Teil ist gekennzeichnet durch völlige Unruhe und Eile, ist voll von extremer Bewegung und Energie. Elemente, die zunehmend größer und heikler werden, bis sie in einer völlig wahnsinnigen Sinnlosigkeit enden. Eine Musik, die sich nicht von ihrem zwanghaften Verhalten lösen kann, ganz festsitzt und dann unerwartet etwas ganz anderes tut, von ihrem eigenen Material süchtig wird, kontinuierlich immer schneller werden will, schon von etwas anderem ergriffen wird noch bevor das Vorhergehende beendet wurde, ständig die Meinung ändert oder plötzlich irgendetwas durchstricht, nervös auf der Suche und ängstlich davor, sich in das Falsche zu verirren. Eine Musik die plötzlich alles vergisst und völlig besessen und leidenschaftlich nur irgendetwas macht...

Diese kontinuierliche Unruhe wird durch das Einfügen externer musikalischer Elemente wie Umblättern, Schauen und Gehen verstärkt. Dies sind Handlungen, die alle während eines Konzertes stattfinden, die wir normalerweise beobachten/wahrnehmen aber ignorieren und die nicht Teil des Diskurses des Stücks sind (im schlimmsten Fall stören sie diesen). Diese zunächst bedeutungslosen Vertreter des täglichen Lebens verlieren ihre Unschuld und bekommen einen unabhängigen, ausdrucksvollen poetischen Wert, nehmen allmählich am musikalischen Diskurs teil, übernehmen das Wort, oder - noch besser gesagt - verwandeln sich in Musik… (wie Thomas Bernhard kleine unbedeutende Dinge zu großen Proportionen anschwellen lässt).

Die Musik verschwindet und damit die letzten Reste der Vernunft und des Traums. Und dann finden wir uns in suchenden Seiten und geflüsterten Gesprächen voller primärer Leidenschaften des Lebens wie Eifersucht, Habgier, Trunksucht, ... (Texte aus Théâtre des Marionnettes, Edmond Duranty, 1860).

... und dann erscheint ein kleines Licht am Himmel und alles wird anders ...
—Jan van de Putte, 2018

 in Werke
8 November 2018
20.15 Uhr
Amsterdam, Muziekgebouw aan 't IJ Series Muziekgebouw Furie und Stille UA

Beat Furrer — still
    — linea dell’orizzonte
Rebecca Saunders — fury II
Jan van de Putte — Cette agitation perpétuelle, cette turbulence sans but
UA

Aleksander Gabryś, Kontrabass
Dirigent: Bas Wiegers

Vor dem Konzert:

13.00 Uhr
Öffentliche Generalprobe von Jan van de Puttes Werk Cette agitation perpétuelle, cette turbulence sans but,
Die öffentliche Probe ist kostenlos zugänglich. Anmeldung erforderlich unter: www.muziekgebouw.nl

19.15 Uhr
Einführung mit Thea Derks


Der Komponist Jan van de Putte über sein neues Werk:
Jan van de Putte — Cette agitation perpétuelle, cette turbulence sans but

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