© Esther Cantera
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Alberto Posadas — Poética del espacio

Umbrales evanescentes


Eignet sich der Raum eine poetische Dimension an oder entsteht diese vielmehr erst dadurch, dass der Raum erlebt, wahrgenommen wird? In seiner Poetik des Raumes (1957) beantwortet [Gaston] Bachelard diese Frage nicht direkt, sondern er umkreist sie. Das poetische Bild verleiht dem Raum die Charakteristik des Erlebens in der Zeit. Seine Bedeutung beruht nicht auf einer externen Größenordnung, sondern auf der Tatsache, dass er bewohnt und erlebt wird.

Wie wird der Raum während des Hörens bewohnt? Durch den Standort und die Positionierung der Klangquelle? Durch das Medium der Übertragung? Entstehen daraus neue poetische und perzeptive Beziehungen?

Wie kann der Raum als Antrieb für einen sich in der Zeit entfaltenden Klangprozess wirksam werden? Wie kann er das musikalische Material artikulieren – seine Entwicklung in der Zeit, die Ausbreitung des akustischen Raums (Frequenzbereich), die instrumentale Dichte oder das Tempo, in dem der Klang sich fortbewegt?

Diese Fragen zu umkreisen – von Anfang an mit Bachelards Buch vor Augen – bildet den Ausgangspunkt für diesen Zyklus von Ensemble-Stücken, dessen drittes Werk beim Acht Brücken Festival in Köln uraufgeführt wird.

Das konzertante Stück für Saxophon, Horn, Trompete, Posaune und Ensemble modifiziert den Innenraum der Soloinstrumente mittels instrumentaler Hybridisierungs-Prozesse. Die poetische Dimension des Raums wird von der mikroskopischen und mutierenden Welt befruchtet, die aus einer solchen Hybridisation entsteht, sowie von den unterschiedlichen klanglichen Ressourcen, die ihr entspringen. Diese wiederum werden durch die Instrumente des Ensembles räumlich erweitert.

Das dritte Werk dieser Serie richtet seinen Fokus mehr auf die innere Größenordnung des instrumentalen Raumes und stellt einen Kontrapunkt zu den vorangegangenen Stücken dar, deren Dramaturgie durch die räumliche Bewegung des Klangs und der ausführenden Musiker bestimmt wird.
—Alberto Posadas, 2018

 in Werke
1 Mai 2019
18.00 Uhr
Köln, Kölner Philharmonie Acht Brücken Festival Contretemps UA EA

Das Verhältnis von Klangraum und Raumklang untersucht Alberto Posadas in seinem Zyklus »Poética del espacio«. Im dritten Teil der Werkreihe studiert er die Architektur der Klangerzeugung, den instrumentalen Raum. Das klingt nach Experimentallabor, hat aber eindrucksvolle, erfrischend lebendige Musik zum Ergebnis. Der Österreicher Georg Friedrich Haas weitet den Raum dann bis ins Weltpolitische, wenn er seine neue Komposition Elin Ersson widmet, der jungen Schwedin, die mit Zivilcourage die Rückführung eines afghanischen Asylbewerbers verhinderte. Zuletzt versetzt Georges Aperghis, inspiriert von Paul Klees Gemälde »Vor dem Blitz«, eine Sopranstimme in ein instrumentales Klanggewitter. »Contretemps« - von der Ästhetik widriger Umstände. (Acht Brücken Festival)

Alberto Posadas — Umbrales evanescentes („Poética del espacio“) UA
Georg Friedrich Haas — im Schatten der Harfen EA
Georges Aperghis — Contretemps

Donatienne Michel-Dansac, Sopran
Gerald Preinfalk, Saxophon
Christoph Walder, Horn
Anders Nyqvist, Trompete
Mikael Rudolfsson, Posaune
Dirigent: Sylvain Cambreling


Vor dem Konzert
öffentliche Generalprobe
, 12.00 Uhr, Kölner Philharmonie
Komponistengespräch, 17.00 Uhr, Kölner Philharmonie
Louwrens Langevoort im Gespräch mit Georges Aperghis


Der Komponist Alberto Posadas über den 3. Teil seiner Werkserie:
Alberto Posadas — Poética del espacio

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