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Koka Nikoladze — 21.10.18

Ich genieße das Umschalten zwischen zwei Extremen: Entweder gebe ich den Interpreten viel Handlungsspielraum, um sie zu Mitkomponisten zu machen, oder ich nehme ihnen jegliche Freiheit und kontrolliere sie, indem ich sie zu "menschlichen Robotern" mache. Ich benutze die Technologie, um dies zu erreichen: Auf der Seite der Musiker benutze ich visuelle Einsatzzeichen, akustische Befehle usw., und auf meiner Seite benutze ich einige gewöhnliche MIDI-Controller, einen Joystick und selbstangefertigte Sensoren.

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der Technologie als Erweiterung meines menschlichen Selbst. Ich habe mich allmählich vom Komponieren von Werken mit allgemeingültiger Notation entfernt und mich stattdessen mehr auf die Entwicklung von Technologie konzentriert. Meine Arbeiten sind nicht druckbar, sondern sie existieren in Form von Algorithmen und Skizzen. Ich baue maßgeschneiderte Hard- und Software meist für jede weitere Aufführung und nutze diese zum Zweck der Interaktion mit menschlichen Ensembles.

In diesem Zusammenhang versuche ich, meinen Werken keine unplausiblen Namen mehr zu geben und sie nach ihrem ersten Aufführungsdatum zu benennen. 21.10.18 ist eines dieser Werke. Das Schlagwort, das ich beim Komponieren von 21.10.18 im Kopf hatte, war „Unmittelbarkeit“ – etwas, das mir bei der Arbeit mit der herkömmlichen Notation sehr gefehlt hat. Ich fühle mich nicht wohl dabei, über Monate hinweg feste und reproduzierbare Werke zu komponieren, die mehrmals aufgeführt werden, sondern ich finde das Zusammenbauen von Technologie viel unterhaltsamer, befriedigender und inspirierender, da sie mich meine Arbeiten modularisieren lässt und mir viel unmittelbar zugänglichen kreativen Raum gibt.

In 21.10.18 hat jedes Mitglied des Ensembles einen interaktiven Notenständer, an dem ich während der Aufführung musikalische Elemente darstelle und verändere, die das Ensemble zu einem akustischen Synthesizer machen. Dadurch kann ich dynamische Landschaftsstrukturen durch das Bedienen von Drehknöpfen, Bewegen von Reglern und Drücken von Schaltern aufbauen. Mit solchen Landschaften im Hintergrund löse ich auch kurze „Soli“ aus und gebe jedem Mitglied des Klangforum Wien eine Stimme.

21.10.18 ist eine eindringliche Dokumentation über das Klangforum Wien und über mich.
—Koka Nikoladze, 2018

 in Werke
21 Oktober 2018
11.00 Uhr
Donaueschingen, Donauhallen, Mozart Saal Donaueschinger Musiktage Case White UA UA UA UA

Zum neunten Mal ist das Klangforum aus Wien in Donaueschingen zu Gast. In diesem Jahr stehen Werke auf dem Programm, bei denen das Experimentelle und das Offene im Vordergrund stehen.

Francesco Filidei — Ballata Nr. 7 UA
Eduardo Moguillansky — Resilienztraining UA
Koka Nikoladze — 21.10.18 UA
Mirela Ivičević — Case White
UA

Peter Böhm, Klangregie
Dirigent: Ilan Volkov



Der Komponist Francesco Filidei über sein neues Werk:
Francesco Filidei — Ballata Nr. 7

Der Komponist Edouardo Moguillansky über sein neues Werk:
Edouardo Moguillansky — Resilienztraining

Der Komponist Koka Nikoladze über sein neues Werk:
Koka Nikoladze — 21.10.18

Die Komponistin Mirela Ivičević über ihr neues Werk:
Mirela Ivičević — Case White

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