© Mirela Ivičević
© Mirela Ivičević

Mirela Ivičević — Case White

Im Jahr 2016 entstand mein Stück Case Black für das Ensemble Black Page Orchestra, dessen Name sich auf den ästhetischen Ansatz des Ensembles bezieht, aber auch auf die Operation „Case Black“, eine im Frühling 1943 durchgeführte, gescheiterte Offensive der Achsenmächte in der Nähe des Flusses Sutjeska in Südost Bosnien, die das Ziel die Zerstörung der jugoslawischen Partisanen verfolgte, hauptsächlich bekannt durch ihre letzte Phase, die Schlacht an der Sutjeska. Da mein kroatischer Großvater einer unter den vielen gefallenen Partisanen war, und die größte Zahl der Gefallenen Partisanen an der Sutjeska aus der Küstenregion, sowie den Inseln Dalmatien stammen, hatte „Case Black schon immer einen besonderen Stellenwert in der Geschichte meiner, wie auch der Geschichte zahlreicher dalmatinischer Familien.

„Case White“, vor allem bekannt unter dem Namen seiner letzten Phase, die Schlacht an der Neretva, oder die „Schlacht der Verwundeten“, war der größte Vorläufer von „Case Black“.

Im gegenwärtigen politischen Klima Kroatiens, in der die Staatsführung den Antifaschismus offen ablehnt, werden viel zu viele Gelegenheiten genutzt um das Narrativ, des zur Zeit des zweiten Weltkrieges mit den Nationalsozialisten alliierten Vasallenstaates NDH, wiederzubeleben und das Land zurück in den schlimmsten der Extremismen schlittern lässt, wird das symbolische Erinnern an Schlachten, die von Prinzipien der Brüderlichkeit und Einheit für das gemeinsame humanistische Zielgeleitet wurden, surreal exotisch. Eine Sache für die man sich schämen soll. Die wesentlichste Sache, besonders wenn man in Betracht zieht, wie weit verbreitet der Virus des ewigen Faschismus zur Zeit über den ganzen Balkan, wie auch über ganz Europa ist.

Weder Case Black noch Case White sind in keinster Weise narrative Stücke, jedoch sowohl das Ziel wie auch die Zusammensetzung der antifaschistischen Truppen in den Blut getränkten namensgebenden Ereignissen decken sich mit meiner bestehenden Faszination für die Ko-Existenz von Unterschieden. Sowohl in meinen akustischen wie auch in multimedialen Stücken verstehe ich Klang als Raum der Freiheit, um sich das scheinbar Unmögliche vorzustellen, und es gibt nichts lohnendes als das bereits Existierende von dort zu lösen wo es gefunden war, es mit dem Imaginären zu vermengen und alternative Realitäten zu schaffen, und Rituale zu gestalten mit Akteuren, die mit kaum mehr als einem dünnen Faden miteinander verbunden sind. Sei es ein einziger Ton, sexuelle Anziehungskraft, das unverwechselbare Timbre und die Energie eines bestimmten Ensembles oder die gemeinsame Sehnsucht in die Freiheit auszubrechen, jener Faden der stärker ist als all das was sie entzweit. Roh, unvollkommen, ungeschliffen, aber alle bereit ihr Maximum zu geben.

Case White ist dem Ensemble Klangforum Wien gewidmet.
— Mirela Ivičević, 2018

 in Werke
21 Oktober 2018
11.00 Uhr
Donaueschingen, Donauhallen, Mozart Saal Donaueschinger Musiktage Case White UA UA UA UA

Zum neunten Mal ist das Klangforum aus Wien in Donaueschingen zu Gast. In diesem Jahr stehen Werke auf dem Programm, bei denen das Experimentelle und das Offene im Vordergrund stehen.

Francesco Filidei — Ballata Nr. 7 UA
Eduardo Moguillansky — Resilienztraining UA
Koka Nikoladze — 21.10.18 UA
Mirela Ivičević — Case White
UA

Peter Böhm, Klangregie
Dirigent: Ilan Volkov



Der Komponist Francesco Filidei über sein neues Werk:
Francesco Filidei — Ballata Nr. 7

Der Komponist Edouardo Moguillansky über sein neues Werk:
Edouardo Moguillansky — Resilienztraining

Der Komponist Koka Nikoladze über sein neues Werk:
Koka Nikoladze — 21.10.18

Die Komponistin Mirela Ivičević über ihr neues Werk:
Mirela Ivičević — Case White

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