Zum Gemeinwohl ! — Die Filme und die Kompositionen

       

Filmstill © Michelle Kranot — Suggestion of Least Resistance
Filmstill © Michelle Kranot — Suggestion of Least Resistance

Michelle Kranot / Iris ter Schiphorst — Suggestion of Least Resistance

Suggestion of Least Resistance verwendet Archivmaterial von der Juli-Revolte des Jahres 1927 – dem Brand des Justizpalastes, einer wichtigen historischen Episode, die heute noch Aktualität besitzt. Der Animationsfilm zeigt ein rhythmisches, poetisches Anschwellen, das uns, unser Leben und unsere Menschlichkeit mit brennenden Papieren vergleicht, die im Windhauch flattern. Aufnahmen von Blättern aus Papier, die durch die zerborstenen Fenster des brennenden Gebäudes fliegen, werden Ansichten der Menge gegenübergestellt, die auseinander- und zusammenströmt. Die Musik lädt diese kraftvollen Bilder mit ihrer eigenen Lebendigkeit und Farbe auf.

Im Kontext der Gemeinwohl-Ökonomie bilden die sich wiederholenden, stilisierten Abstraktionen der Ereignisse den Rahmen für die Idee einer Gegenüberstellung von Individuum und Geschichte.
—Michelle Kranot, 2018



Filmstill © Samantha Moore — Bloomers
Filmstill © Samantha Moore - Bloomers

Samantha Moore / Malin Bång — Bloomers

Bloomers wirft einen lebhaften Blick auf die Näherei der Firma Headen & Quarmby, einen Familienbetrieb, in dem Dessous hergestellt werden und der arbeitslose Menschen aus der Umgebung mit Jobs versorgt. Der Film ist mit einer Original-Partitur unterlegt, die die Geräusche aus dem Arbeitsraum und Interviews mit den Angestellten mit Animationen kombiniert, die bemerkenswerter Weise aus dem Bedrucken der Stoffe mit Zeichnungen entstanden sind. In Bloomers erhalten wir Einblick in das Berufsleben britischer Fabriksarbeiter.
—Samantha Moore, 2018



Filmstill © Rebecca Blöcher — Lickalike
Filmstill © Rebecca Blöcher — Lickalike

Rebecca Blöcher / Eva Reiter — Lickalike

Lickalike ist ein lautes Nachdenken über Notwendigkeit und Beschaffenheit von künstlichen und natürlichen Organisationsformen. Er stellt die Verbundenheit allen Lebens ins visuelle und auditive Zentrum und betrachtet von dort aus jene selbst- und fremdorganisierten Systeme, die zur Grundlage unseres sozialen Verständnisses erwachsen sind.

Es geht u.a. um individuelle und soziale Identität, um Vernetzung und Kollektivität, um soziale Verantwortung, um digitalen und natürlichen Lebensraum.

Es gibt immer mehrere Perspektiven, aus denen sich eine aktuelle Situation betrachten lässt. Der Film verläuft entlang mehrerer narrativer Fransen, aus denen zum Teil utopische Entwicklungs- und Sinnzusammenhänge entwachsen. Fragmente einer organisierten Verbundenheit werden herausgenommen und neu zusammengesetzt, der ganze Zusammenhang fragmentiert, und doch wird ersichtlich: Alles ist verbunden.
—Rebecca Blöcher, 2018



Filmstill © Eni Brandner — PANTOPOS
Filmstill © Eni Brandner — PANTOPOS

Eni Brandner / Misato Mocizuki — PANTOPOS

Ausgehend von einer scheinbar altmodischen Welt voll Pracht und Glanz, führt PANTOPOS uns auf eine Entdeckungsreise an einen surrealen und seltsamen Ort voll neuer und abstrakter Ideen, wo nichts so ist, wie es einmal war. Das einzige, was uns an Vertrautem bleibt, sind die Menschen, die diesen Ort bewohnen – und ihre Gesten. Am Ende steht die Frage, ob dieser unbekannte Ort nur ein Traum ist oder bereits Teil unserer Realität.
—Eni Brandner, 2018



Filmstill © Elizabeth Hobbs — Die Flunder
Filmstill © Elizabeth Hobbs — Die Flunder

Elizabeth Hobbs / Carola Bauckholt — Die Flunder

Die Flunder ist eine experimentelle Interpretation des Märchens Der Fischer und seine Frau der Brüder Grimm. In dieser wunderschön strukturierten Geschichte wird erzählt, wie die Gier den Menschen treibt, mehr und mehr Reichtum auf Kosten seiner Umgebung zu erlangen. Carola Bauckholt und Elizabeth Hobbs erzählen diese Geschichte in ihrer eigenen Sprache unter Verwendung neuer Werkzeuge und Arbeitsprozesse. Zugrunde liegt das Bedürfnis, ein Bewusstsein für die dringende Notwendigkeit zu schaffen, das Leben so zu verändern, dass auch nachfolgende Generationen weiterhin auf der Erde existieren können.
—Elizabeth Hobbs, 2018



Filmstill © Andrea Schneider — Generator / Operator
Filmstill © Andrea Schneider — Generator / Operator

Andrea Schneider / Marianthi Papalexandri-Alexandri — Generator / Operator

In unserem Projekt befassen wir uns mit den Begriffen Kooperation, Vertrauen, Teilen und Solidarität, die Christian Felber als die zentralen Werte seiner Gemeinwohlökonomie bezeichnet. Wir möchten diese Schlüsselbegriffe in bewegliche Stillleben übersetzen. Die Idee ist, für jeden Begriff die Atmosphäre eines Mikrokosmos zu entwerfen, der in Form einer Endlosschleife in sich geschlossen abläuft.

Wir sind beide fasziniert von Objekten, ihrer Materialität, ihren Eigenheiten und Geschichten. Deshalb wollen wir mit spezifischen Objekten arbeiten, mit Bildern wie mit Klängen, und versuchen, ihren Wesenskern herauszuarbeiten.
—Andrea Schneider, 2018




Filmstill © Johanna Kozuch — Music Box
Filmstill © Johanna Kozuch — Music Box

Joanna Kozuch/ Ying Wang — Music Box

Eine Truppe von Zirkusakrobaten versucht, eine perfekte menschliche Pyramide zu gestalten. Allerdings – einer von ihnen hat Probleme mit seiner Hand und kann seinen Partner nicht festhalten, sodass die Pyramide in sich zusammenfällt. Der Choreograph hat nun drei Möglichkeiten, sein Ziel zu erreichen: Er kann den verletzten Akrobaten durch einen anderen, besseren ersetzen; er kann das gesamte Team austauschen – oder er kann das Team behalten und jedem Mitwirkenden den für sie oder ihn passenden Platz in seiner Choreographie zuweisen. Alle drei Vorgangsweisen führen zum selben Resultat; der wesentliche Unterschied liegt im Weg dorthin.
—Joanna Kozuch, 2018



Filmstill © Susi Jirkuff — Vermessung der Distanz
Filmstill © Susi Jirkuff — Vermessung der Distanz

Susi Jirkuff / Joanna Bailie — Vermessung der Distanz

Das Projekt befasst sich mit urbanen Randbezirken, die mit der Marginalisierung jener sozialen Gruppen einhergehen, die sie bewohnen. Es geht um Distanz, die Anonymität der Architektur, Verfall, aber auch Bewegung und Interaktion in diesem groben Entwurf, der versucht, eine Auseinandersetzung mit den Themen Raum und Segregation in den Gemeinwohl-Diskurs mit einzubeziehen. Die audio-visuelle Sprache des Films bedient sich eines transparenten und schonungslosen Ansatzes, um sein Anliegen zu reflektieren. Die Verschmelzung von architektonischen Linien und Klang mittels unerwarteter Entsprechungen und Synchronisierungen ist darauf ausgerichtet, eine neue Art von intermedialer Aussage zu entwerfen.
—Susi Jirkuff, 2018



Filmstill © Vessela Dantcheva — Hierarchy Glitch
Filmstill © Vessela Dantcheva — Hierarchy Glitch

Vessela Dantcheva / Electric Indigo — Hierarchy Glitch

Auf abstrakte Weise befasst Hierarchy Glitch sich mit einer zentralen Idee der Gemeinwohl-Ökonomie. Sowohl die visuellen Muster als auch die Stimmen des Ensembles sind Teil einer hierarchischen Gebarung, die das volle Potential und die Mobilität der individuellen Elemente einschränkt. Binnen Kurzem fällt die Matrix in sich zusammen, Verbindungen und Bewegungsrichtungen gehen verloren, was zu einem entropischen Durcheinander führt. An diesem Punkt verbinden sich individuelle Einheiten autonom mit dem Rest und bilden so organische und ausgewogene Konstellationen. Sie entwickeln einen kollektiven Organismus, ein resilientes Gebilde.
—Vessela Dantcheva, 2018



Filmstill © Ana Nedeljković — The Happiness Machine
Filmstill © Ana Nedeljković — The Happiness Machine

Ana Nedeljković / Hanna Hartman — The Happiness Machine

Der Film basiert auf der Idee eines nicht existenten Videospiels, das die Geschäftspraktiken eines Unternehmens simuliert. Zunächst scheint alles ideal zu sein; allerdings: was geschieht, wenn wir uns größere Zusammenhänge ansehen? Allmählich werden Details sichtbar, die die wahren Emotionen der Menschen zeigen, die von ihnen begangenen Unregelmäßigkeiten, Verstöße gegen die Menschenrechte und die Umwelt… Der „ideale“ Raum, der allein aus finanziellen Überlegungen heraus konzipiert wurde und sich allein an ihnen orientiert, wird vor unseren Augen dekonstruiert.
—Ana Nedeljković, 2018


Musikalische Leitung: Konstantia Gourzi
Peter Böhm & Florian Bogner, Klangregie

 


Zum Gemeinwohl !
ist ein Projekt von Klangforum Wien, Musik der Jahrhunderte und Amour Fou Vienna in Kooperation mit Tricky Women mit besonderer Förderung aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes, von Interfaces / Creative Europe Programme of the European Union.
Die Kompositionsaufträge an Iris ter Schiphorst, Malin Bang, Eva Reiter, Carola Bauckholt und Marianthi Papalexandri-Alexandri werden finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung.


                           

   

 in Werke
8 Februar 2019
19.00 Uhr
Stuttgart, Theaterhaus/T1 Eclat Festival Zum Gemeinwohl ! 20 Frauen animieren ein europäisches Gespräch über die Zukunft der Welt 10 x UA

In zehn Animationsfilmen und zehn neuen Kompositionen stellen Künstlerinnen aus elf europäischen Staaten eine Alternative zum herrschenden finanzkapitalistischen Wirtschaftssystem zur Diskussion.

Film / Musik
Michelle Kranot / Iris ter Schiphorst —Suggestion of Least Resistance UA
Samantha Moore / Malin Bång — Bloomers
UA
Rebecca Blöcher / Eva Reiter — Lickalike
UA
Eni Brandner / Misato Mochizuki — PANTOPOS
UA
Elizabeth Hobbs / Carola Bauckholt — Die Flunder UA
Andrea Schneider / Marianthi Papalexandri-Alexandri — Generator / Operator UA
Joanna Kożuch
/ Ying Wang — Music Box UA
Susi Jirkuff / Joanna Bailie — Vermessung der Distanz UA
Vessela Dantcheva / Electric Indigo — Hierarchy Glitch UA
Ana Nedeljković / Hanna Hartman — The Happiness Machine
UA

Musikalische Leitung: Konstantia Gourzi

Peter Böhm & Florian Bogner, Klangregie



Die Künstlerinnen über ihre Werke:
Zum Gemeinwohl ! — Die Filme und die Komponistinnen


Zum Gemeinwohl ! ist ein Projekt von Klangforum Wien, Musik der Jahrhunderte und Amour Fou Vienna in Kooperation mit Tricky Women mit besonderer Förderung aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes und von Interfaces / Creative Europe Programme of the European Union.
Die Kompositionsaufträge an Iris ter Schiphorst, Malin Bang, Eva Reiter, Carola Bauckholt und Marianthi Papalexandri-Alexandri werden finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung.

4 März 2019
19.30 Uhr
Wien, Wiener Konzerthaus, Großer Saal AugenSchein Zum Gemeinwohl ! 20 Frauen animieren ein europäisches Gespräch über die Zukunft der Welt 10 x EA

Einen frischen Blick auf das scheinbar Unabänderliche wirft man am besten mit dem Gehör. Das internationale Wirtschaftssystem auf dem Prüfstand der Musik.

Film / Musik
Michelle Kranot / Iris ter Schiphorst — Suggestion of Least Resistance EA
Samantha Moore / Malin Bång — Bloomers
EA
Rebecca Blöcher / Eva Reiter — Lickalike
EA
Eni Brandner / Misato Mochizuki — PANTOPOS
EA
Elizabeth Hobbs / Carola Bauckholt — Die Flunder
EA
Andrea Schneider / Marianthi Papalexandri-Alexandri — Generator / Operator
EA
Joanna Kożuch / Ying Wang — Music Box
EA
Susi Jirkuff / Joanna Bailie —
Vermessung der Distanz
EA
Vessela Dantcheva / Electric Indigo — Hierarchy Glitch
EA
Ana Nedeljković / Hanna Hartman — The Happiness Machine
EA

Musikalische Leitung: Konstantia Gourzi
Peter Böhm & Florian Bogner, Klangregie



Vor dem Konzert:
Fremde Ohren oder: Wie Musiker das hören,
18.30 Uhr

Konzertzyklus 2018/19
AugenSchein

Die Künstlerinnen über ihre Werke:
Zum Gemeinwohl ! — Die Filme und die Komponistinnen


Zum Gemeinwohl ! ist ein Projekt von Klangforum Wien, Musik der Jahrhunderte und Amour Fou Vienna in Kooperation mit Tricky Women mit besonderer Förderung aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes und von Interfaces / Creative Europe Programme of the European Union.
Die Kompositionsaufträge an Iris ter Schiphorst, Malin Bang, Eva Reiter, Carola Bauckholt und Marianthi Papalexandri-Alexandri werden finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung.

4 Mai 2019
20.00 Uhr
Hamburg, Elbphilharmonie Internationales Musikfest Zum Gemeinwohl ! 20 Frauen animieren ein europäisches Gespräch über die Zukunft der Welt

In zehn Animationsfilmen und zehn neuen Kompositionen stellen Künstlerinnen aus elf europäischen Staaten eine Alternative zum herrschenden finanzkapitalistischen Wirtschaftssystem zur Diskussion.

Film / Musik
Michelle Kranot / Iris ter Schiphorst — Suggestion of Least Resistance
Samantha Moore / Malin Bång — Bloomers

Rebecca Blöcher / Eva Reiter — Lickalike

Eni Brandner / Misato Mochizuki — PANTOPOS

Elizabeth Hobbs / Carola Bauckholt — Die Flunder

Andrea Schneider / Marianthi Papalexandri-Alexandri — Generator / Operator

Joanna Ko
żuch / Ying Wang — Music Box
Susi Jirkuff / Joanna Bailie —
Vermessung der Distanz
Vessela Dantcheva / Electric Indigo — Hierarchy Glitch

Ana Nedeljković / Hanna Hartman — The Happiness Machine

Musikalische Leitung: Konstantia Gourzi
Peter Böhm & Florian Bogner, Klangregie



Die Künstlerinnen über ihre Werke:
Zum Gemeinwohl ! — Die Filme und die Komponistinnen


Zum Gemeinwohl ! ist ein Projekt von Klangforum Wien, Musik der Jahrhunderte und Amour Fou Vienna in Kooperation mit Tricky Women mit besonderer Förderung aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes und von Interfaces / Creative Europe Programme of the European Union.
Die Kompositionsaufträge an Iris ter Schiphorst, Malin Bang, Eva Reiter, Carola Bauckholt und Marianthi Papalexandri-Alexandri werden finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung.

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