Edvard Munch, Der Kuss, Radierung, 1895
Edvard Munch, Der Kuss, Radierung, 1895

Francesco Filidei — Ballata Nr. 7

Im Laufe der Jahre spürte ich immer wieder das Bedürfnis zur Veränderung meiner Musiksprache: von einer aus bloßen Geräuschen zusammengesetzten hin zu einer aus reinen Klängen bestehenden Musik. Einige Elemente blieben dabei jedoch unverändert und zeigen einen klaren, in sich folgerichtigen Weg.

Beim Durchblättern meines Werkkatalogs fällt zuallererst die häufige Verwendung von Titeln auf, die sich auf musikalische Formen der Vergangenheit beziehen – Toccaten, Sonaten, Balladen und Präludien. Stets ging es in diesen Fällen weniger darum, eine leere Formhülle mit ungewöhnlichen Materialien zu füllen, sondern ein musikalisches Objekt zu kontextualisieren, dem Hörer einen möglichen Bezugsrahmen anzubieten. War dieser Weg einmal beschritten, ging es darum, ihn wieder aufzubrechen und erneut Frage zu stellen.

Im Schreiben von Musik habe ich die beste Möglichkeit gefunden, die Erinnerung an meine Geschichte – und an viele andere vergangene Geschichten – lebendig zu erhalten, denn Musik ist wie ein roter Faden, der die Zeit einfärben kann, eben jene Zeit, in der die Erinnerung sich bewegt. Die Notwendigkeit, diese Zeit zu begrenzen, um sie besser beobachten zu können, hat zu einer Fokussierung auf die geschlossene Bogenform und die ökonomische Verwendung minimalen Materials geführt, die den Fokus auf die lineare Entwicklung der Musiksprache lenken.

Meine Ballate evozieren nicht nur eine romantische Form. Darüber hinaus sind sie auch Teile meines Weges hin zu einem umfassenden konstruktiven Prozess.

Die Ballata Nr. 7 setzt diese Suche fort und schlägt gleichzeitig verschiedene Bögen zurück: zur Ballata Nr. 2, da beide Werke – im Gegensatz zu allen anderen Ballate – eines Solisten entbehren; zur Ballata Nr. 6 aufgrund der Verwandtschaft zur Sprache; den Ballate Nr. 4 und Nr. 5 ähnelt sie durch enge Verbindungen zu gleichzeitig komponierten Werken: In der Ballata Nr. 7 gewann das Material seine Gestalt aus den Aufzeichnungen zur Oper Inondation, die auf einer Stoffvorlage von Evgueni Zamiatine basiert und im September 2019 an der Opéra Comique in Paris uraufgeführt wird. So entstand eine Musik, die einen dynamischen Charakter bewahrt, der den Balladen von Liszt näher ist als meinen eigenen vorangegangenen Werken. Die Ballata Nr. 7 ist Shinichi Baba gewidmet, einem Tai Chi-Meister, der vor kurzem von uns gegangen ist.
—Francesco Filidei, 2018

 in Werke
21 Oktober 2018
11.00 Uhr
Donaueschingen, Donauhallen, Mozart Saal Donaueschinger Musiktage Case White UA UA UA UA

Zum neunten Mal ist das Klangforum aus Wien in Donaueschingen zu Gast. In diesem Jahr stehen Werke auf dem Programm, bei denen das Experimentelle und das Offene im Vordergrund stehen.

Francesco Filidei — Ballata Nr. 7 UA
Eduardo Moguillansky — Resilienztraining UA
Koka Nikoladze — 21.10.18 UA
Mirela Ivičević — Case White
UA

Peter Böhm, Klangregie
Dirigent: Ilan Volkov



Der Komponist Francesco Filidei über sein neues Werk:
Francesco Filidei — Ballata Nr. 7

Der Komponist Edouardo Moguillansky über sein neues Werk:
Edouardo Moguillansky — Resilienztraining

Der Komponist Koka Nikoladze über sein neues Werk:
Koka Nikoladze — 21.10.18

Die Komponistin Mirela Ivičević über ihr neues Werk:
Mirela Ivičević — Case White

13 Januar 2019
19.30 Uhr
Wien, Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal AugenSchein Triptychon EA EA EA

Triptycha zeigen und verbergen. Scheinbar Disparates wird in der Gesamtschau zum sinnvollen Neuen.

Francesco Filidei — Ballata Nr. 7 EA
Eduardo Moguillansky — Resilienztraining
EA
Jorge E. López — Triptychon op. 25
EA

Christoph Walder, Horn
Peter Böhm & Florian Bogner, Klangregie
Dirigent: Ilan Volkov

Vor dem Konzert:
Fremde Ohren oder: Wie Musiker das hören,
18.30 Uhr

Konzertzyklus 2018/19
AugenSchein

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