© Lara Ušić, Distacco 2
© Lara Ušić, Distacco 2

Bernd Richard Deutsch — Murales

Anders als beim Solo-Konzert kann das Komponieren für Ensemble und Orchester nicht an historische Vorbilder anknüpfen. Auch das Concertino im Concerto grosso, so wie wir es aus der Tradition kennen, ist viel kleiner besetzt als ein komplettes Neue Musik-Ensemble. Natürlich gibt es seit einigen Jahren Beispiele für die Kombination einer größeren Ensemblegruppe mit einem Orchester (beispielsweise von Wolfgang Rihm, Philippe Manoury oder Georg Friedrich Haas), mit sehr individuellen Lösungsansätzen, denen man aber gerne seine eigenen hinzufügen möchte. Die größte Schwierigkeit besteht darin, das Ensemble hörbar vom Orchester abzugrenzen. Es setzt sich ja (abgesehen von den beiden Klavieren und dem Saxophon) aus denselben Instrumenten zusammen, die auch im Orchester vorhanden sind, es stellt gewissermaßen eine verkleinerte Kopie des Orchesters dar. Das brachte mich zur Idee des Konzertierens zurück: Es gibt Frage- und Antwortsituationen zwischen dem Ensemble und dem Orchester, bzw. schroffe Kontraste. Dabei ist das Ensemble nicht nur als die Summe von einzelnen Solisten zu verstehen, sondern auch als Einheit, als „Super-Instrument“. Die Erfahrung der Komposition eines Orgelkonzerts hat mir da sehr weitergeholfen. Ich denke das Ensemble – abgesehen von einigen kurzen solistischen Auftritten – als eine Art Orgel mit 16 Registern. Natürlich ist der Ensemblepart fordernder, umfangreicher und virtuoser als der Orchesterpart. Die Energien, die aus der Konfrontation von Ensemble und Orchester entstehen, sind gewaltig. Sie drängen von sich aus nach Entfaltung im Raum und in der Zeit. Ich dachte oft an Jackson Pollock, an den Rhythmus und Schwung in seinen Arbeiten, an die geradezu kosmische Energie, die er freisetzt und bannt. Vor allem an sein großdimensioniertes „Mural“ aus dem Jahr 1943. Ich würde aber nicht sagen, dass meine Musik eine Entsprechung zu dem wäre, was man Abstrakten Expressionismus nennt, wobei ich beim Komponieren allerdings immer völlig abstrakt denke.
—Bernd Richard Deutsch, 2018

 in Werke
5 Oktober 2018
19.30 Uhr
Graz, Helmut List Halle Musikprotokoll les concerts grandioses UA

Seit 2014 musiziert das RSO Wien gemeinsam mit dem Klangforum Wien beim musikprotokoll. Die Idee: Ein Werk kombiniert großorchestralen Klangsinn mit den Feinheiten eines ensemblehaften Solistenkollektivs. (musikprotokoll)

Bernd Richard Deutsch — Murales UA

RSO Wien
Klangforum Wien

Dimitrios Polisoidis, Viola
Yaron Deutsch, E-Gitarre
Krassimir Sterev, Akkordeon
Dirigent: Johannes Kalitzke



Unsuk Chin — Mannequin

RSO Wien

Der Komponist Bernd Richard Deutsch über sein neues Werk:
Bernd Richard Deutsch — Murales

Im Anschluss:
Kurzzeit
21.30 Uhr, Helmut List Halle, Graz

Artist Talk/Keynote: Chaya Czernowin
13.00 Uhr, Palais Meran, Florentinersaal, Graz
Die Komponistin Chaya Czernowin und Doktorand/innen des Orpheus Instituts Ghent und der Musikakademie Malmö, geben Einblick in ihre interdisziplinäre Forschungspraxis und Ergebnisse.

Der Kompositionsauftrag von Bernd Richard Deutsch wurde von der Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert.

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