Rebecca Saunders — Skin

Haut/Substantiv/f.
eine straff gespante, elastische, zusammenhängende äußere Abdeckung oder Schichte eines Körpers oder eines Dings;
eine hautähnliche Schicht an der Oberfläche einer Flüssigkeit oder eines festen Gegenstandes;
der Balg eines gehäuteten Tieres mit oder ohne Haar.

Substantiv. die zarte Membran, die den Körper von seiner Umwelt trennt – impliziert das Phänomen der Berührung, einer der fünf äußerlichen Sinne, mit dessen Hilfe die sekundären Sinnesmodalitäten von Temperatur, Schmerz und Schwingung zum Teil vermittelt werden.

Berührung, somatosensorisch, Taktition oder Mechanorezeption: eine neurale Empfindung, in der Regel der Haut, jedoch auch von Zunge, Hals und Schleimhäuten. Rezeptoren reagieren auf Unterschiede in Geschwindigkeit und Druck (fest, streifend, anhaltend, etc.) Adj. somatisch, taktil

Haut/häuten/Verb
häuten, die Oberfläche abschälen; einem Tier das Fell abziehen.
Jemandem unter die Haut gehen: so tief eindringend, dass es irritiert, stimuliert, nachdenklich stimmt oder auf andere Art einen Reiz auslöst.
Unter der Haut: unterhalb augenscheinlicher oder oberflächlicher Unterschiede: im Innersten.

Haut als Metapher für die Vergänglichkeit – der unaufhörliche Prozess der Abstoßung abgestorbener Hautpartikel und des Entstehens einer neuen Haut.

Berührt von der Aufnahme einer frühen Produktion von Samuel Becketts TV-Spiel Das Geister-Trio (1975 geschrieben; 1977 uraufgeführt), bildete dieser Text des Erzählers aus dem 1. Akt den Auslöser für die Entstehung des Stücks:

das ist das Wesen des Raums
nicht seiend
jetzt sieh näher hin
bloßer Staub
Staub ist die Haut eines Raums
die Geschichte ist eine Haut
je älter sie wird, desto mehr Eindrücke bleiben auf ihrer Oberfläche zurück
sieh nochmals hin…

Der zentrale Text von Haut stammt von mir, er entstand sukzessive während des langen kompositorischen Prozesses und ist zum Teil von der intensiven Zusammenarbeit mit Juliet Fraser inspiriert. Ein Abschnitt aus James Joyces Ulysses, aus dem letzten Absatz von Molly Blooms Monolog, wird gegen Ende von Haut zitiert.

(Rebecca Saunders, 2016)

Rebecca Saunders © Katrin Schander
Rebecca Saunders © Katrin Schander
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