Christoph Renhart — miroirs noirs
Christoph Renhart, miroirs noirs
Christoph Renhart, miroirs noirs

Im seidenmatten Schwarz einer planen Oberfläche tummeln sich Gesten und Bewegungen wie verirrte Nachtfalter an einer Glaswand. Es sind fahle Formen ohne Kontur, deren Umrisse sich nur als Schatten erahnen lassen. Die Silhouetten jener zerspiegelten Objekte, welche davor im Obskuren verharren, vermitteln eine Ahnung ihrer eigentlichen Gestalt, einer unscharfen Erinnerung gleichend.
In miroirs noirs begegnen wir diesen verschwommenen Echos in vielen Momenten. Figuren, die unmittelbar zurückgeworfen werden, erscheinen näher, während das Gegenbild längerer Prozesse erst im Lauf der Zeit erkennbar wird.

Ich wollte in meinem Werk eine Perspektive der Erinnerung schaffen. Gleichzeitig formt sich aus dem Meer verflossener Gesten und Fragmente ein Strom, dessen Flusslauf einem vorgezeichneten dramaturgischen Plan folgt. Markant stürzt das Stück am Zenit einer langen eruptiven Phase in sich zusammen, noch bevor es seine Mitte überschreitet.
In den weiteren Abschnitten nimmt miroirs noirs mehrmals den zum Gipfel weisenden Kurs wieder auf, verliert jedoch unaufhaltsam an Höhe. Durch die Gedanken aus dem Vergangenen geprägt und zerrieben in den Katarakten der Zeit steuert es unentwegt einem finalen Tiefpunkt zu: Inmitten einer Wüste aus Staub versiegt der Strom im Ästuar seiner Erinnerungen.

miroirs noirs entstand zwischen Jänner und Juni 2016. Das Stück ist selbst ein unscharfes Gegenbild zu meinem Werk Échos éloquents, welches parallel zu miroirs noirs entstand. Beide Werke schöpfen ihr Material, wie zwei verschwisterte Vulkane, aus einer Magmakammer. (Christoph Renhart, 2016)

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