Das Tuch
© Elodie Grethen

La Sindone di Torino – ein zum Gewebe materialisiertes Stück Zweifel, Liebe und Hoffnung. Das im Dom von Turin verwahrte Grabtuch zeigt deutlich das Bild eines Leichnams, der alle Spuren jener Misshandlungen und Torturen trägt, wie sie Jesus von Nazareth nach den übereinstimmenden Berichten der synoptischen Evangelien zugefügt worden sind. Seit das Stück Tuch mit dem rätselhaften Abbild um die Mitte des 14. Jahrhunderts zum ersten Mal aufgetaucht ist, war und blieb es Projektionsfläche für viele Arten von Glaube, Liebe und Hoffnung, vor allen Dingen aber auch eine ständige Quelle vielfacher Zweifel.

In seinem für zwei Sprecher geschriebenen Text verfolgt Martin Mosebach die Spur aller Zweifel, die sich an diesem Stück Stoff kristallisieren, mit dem probaten Mittel der Zusammenschau der Ergebnisse vielfältiger wissenschaftlicher Untersuchungen, welchen das Objekt durch die Jahrhunderte bis herauf in unsere Tage unterworfen wurde. Im Verlauf von zwei Stunden, in denen sachlicher Bericht und unaufgeregte Analyse mit Kompositionen von Joseph Haydn, Olivier Messiaen, Salvatore Sciarrino und Bernhard Lang wechseln, lernen wir jene Form des Zweifels kennen, die eher zu verstehen begehrt, als zu wissen und zu beweisen, eine Art des fragenden Staunens, welche durch Zuwendung Raum lässt für Liebe, Hoffnung und andere weder mess- noch wägbare Güter.

25 März 2016
19.00 Uhr
Krems, Minoritenkirche Imago Dei Das Tuch

Seit das Stück Tuch mit dem rätselhaften Abbild um die Mitte des 14. Jahrhunderts zum ersten Mal aufgetaucht ist, war und blieb es Projektionsfläche für viele Arten von Glaube, Liebe und Hoffnung, vor allen Dingen aber auch eine ständige Quelle vielfacher Zweifel. mehr

Joseph Haydn — Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze (Sonata III, V-VII)
Bernhard Lang — Monadologie IX (Sonata I, II, IV)
Olivier Messiaen — Quatuor pour la fin du temps
    (1. Liturgie de cristal, 6. Danse de la fureur,
    pour les sept trompettes)

Salvatore Sciarrino — La Malinconia
    — Due notturni crudeli
    — Let me die before I wake

Sprecher: Dörte Lyssewski und Hermann Schmid


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