Oxana Omelchuk — domkrat polej i pustot

„Zufällig gefundene Fotoalben vermögen immer zu rühren, aber man kann auch die Geschichten recherchieren, die sie erzählen“ (Diedrich Diedrichsen „Über Pop-Musik“)

Portrait Oxana Omelchuk
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Der Komponist hat heute den romantischen Status des Erfinders längst verloren: jedes künstlerische Material ist mit einem Bedeutungsgehalt aufgeladen und die Versuche, neuen Klang zu erfinden, führen zu nichts anderem als zur Tautologie.
Die heutzutage geschriebene Musik zeigt sehr oft (und die Tendenzen sind sowohl in akademischer, als auch in Pop-Musik zu beobachten), dass das Ergreifen des Alten als Neues der eigentliche historische Motor des künstlerischen Schaffens ist.

In vielen meiner letzten Stücke wird das Komponieren mit dem Aufbau eines Assoziationsnetzwerkes angefangen; ich suche nach kontextuellen Beispielen, Allusionen, Assoziationen zu einem bestimmten Thema, sei es eine vorgegebene Besetzung, Gattung oder ein Begriff. Der Kompositionsprozess wird dadurch vom Notenpapier weg in eine Assoziationen bildende Recherche-Oberfläche verlagert.

In dem Fall dieses Stückes gehe ich von den im Vordergrund stehenden Instrumenten, die unterschiedlicher kaum sein können, aber auch von den realen Personen der Solisten, die die Instrumente spielen, aus.

Der analog Synthesizer EMS VCS 3, der erste tragbare Synthesizer in der Geschichte der elektronischen Musik (entwickelt 1969), und die Flöte, die schon in den prähistorischen Zeiten ihre Anwendung fand.
Und es ist nicht nur das Alter der Instrumente, das sie so unterschiedlich macht, sondern auch die Art der Klangerzeugung (elektronisch/akustisch), das Gebiet der Anwendung ((Prog-)Rock-Musik/ klassische Musik), aber auch das ganze Spektrum der Assoziationen und Klischees, die mit jedem von diesen Instrumenten und entsprechenden Interpreten verbunden sind.

Ein Synthesizer–Spieler-Nerd, der vorzieht, seine großen musikalischen Fantasien allein im Studio, umgeben von unzähligen Geräten und Schaltern, auszuleben; und die Flöten-Virtuosin, die allein durch die Haltung ihres Instruments etwas elegantes, kultiviertes, elitäres in sich trägt.
Ein klassischer Musiker, dessen Karriere mit dem Unterricht am Musikinstrument oder dem fabelhaften Talent, das ein liebenswerter Lehrer beim schulischen Musikunterricht entdeckt, beginnt, und ein Rock-Musiker, dessen Karriere mit der Faszination für den aus dem Zimmer des älteren Bruder gehörten Song und mit der Performance mit den imaginären Mikrophon oder Gitarre vor dem Spiegel beginnt.
Aber ob man diese Attribute, die dem Synthesizer-bzw. Flöten-Mythos gehören, auch in meinen Solisten wiederfindet?

(Oxana Omelchuk, 2016)

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