Manuela Kerer — oscillare
Manuela Kerer, oscillare
Manuela Kerer, oscillare

Unser Gehirn schwingt. Denn rhythmische elektrische Potenziale in den Hirnarealen müssen sich synchronisieren, um Informationen auszutauschen. Diese Hirnareale beginnen im Takt zu arbeiten, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas richten. Während das Gehirn bei geschlossenen Augen ganz ruhig schwingt, rattern beim scharfen Nachdenken extreme Wellen über den Kortex. Diese „kortikale Oszillation“ scheint substanziell für die Erkennung von musikalischen Sequenzen zu sein. Rhythmen scheinen aber nicht nur die Wahrnehmung der Tempi, sondern auch die der Tonhöhenänderungen zu verbessern. Spektakulär ist auch die Hypothese, wonach der Gehirnrhythmus einen Einfluss auf das Bewusstsein hat. Jedenfalls sind Rhythmen im Gehirn ziemlich exakt mit Sprache synchronisiert. Dadurch helfen sie uns beispielsweise, einen andauernden Sprachfluss zu verstehen. Noch relativ unbeleuchtet ist hingegen die Rolle der Rhythmen bei der Verarbeitung von komplexen Lauten.
Sind kortikale Rhythmen eine Folge aus anderer Gehirnaktivität oder sind sie die eigentliche Voraussetzung dafür, dass die neuronale Verarbeitung geordnet abläuft? Diese Frage ist einer der gedanklichen Motoren hinter oscillare, auch wenn das Stück sie nicht beantworten wird. Vielmehr versetzt es musikalisch in ein oszillierendes Gehirn, empfindet den neuronalen Informations- tausch klanglich nach. Also bitte schalten Sie Ihr Gehirn aus und lehnen Sie sich zurück. (Manuela Kerer, 2016)

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