Mauricio Sotelo

Mauricio Sotelo

Geboren am 2. Oktober 1961 in Madrid.
Erste musikalische Ausbildung am Konservatorium in Madrid.
Kompositionsstudium bei Francis Burt an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien (1987 Diplom mit Auszeichnung).
Fortsetzung seiner Studien bei Luigi Nono. Sotelo war von 1980 bis 1992 in Wien wohnhaft und lebt derzeit in Collado Mediano bei Madrid.
 
Auszeichnungen (Auswahl):
1985-87 Wardwell Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung.
1986  I. Kompositionspreis des Jugend-National-Orchesters (JONDE).
1987-89 Arbeits-Stipendium der Alban Berg-Stiftung.
1989 I. Kompositionspreis der Autorengesellschaft von Spanien.
Förderpreis für Musik der Stadt Wien.
1992  WDR-Kompositionspreis Forum Junger Komponisten.
1994 Rolf Liebermann Kompositions-Stipendium.
1996  Kompositions-Stipendium des INAEM (Kulturministerium).
Förderpreis der Körber-Stiftung.
1997 Förderpreis der Ernst von Siemens-Stiftung.
 

Klang-Muro-for-Klangforum
Meine ersten Schritte als Komponist sind eng mit den Anfängen des Klangforum Wien und natürlich mit meiner Freundschaft mit dem Komponisten Beat Furrer verbunden. Durch eben diese  Freundschaft zu Beat habe ich an den anfänglichen Aktivitäten des Klangforum Wien sehr aktiv teilgenommen und für die ersten Auftritte des Ensembles in Spanien gesorgt. Meine ersten Werke wurden bei Klangforum-Wien-Konzerten uraufgeführt und mit einigen seiner Musiker zusammen konnte ich das entwickeln, was man heute als „sotelianische“ Klangwelt bezeichnen könnte. In „unseren“ Konzerten bekam ich die Möglichkeit, jene Musik kennen zu lernen und eingehend zu studieren, die uns damals am meisten interessierte. Kurz und gut, noch heute habe ich eine sehr emotionale Erinnerung an diese Zeit.
 
Unvergesslich ist für mich das erste Klangforum-Konzert in Spanien am 20. Februar 1991 im Kammermusiksaal des Auditorio Nacional von Madrid, aufgeführt im Rahmen des CDMC-Zyklus mit Werken von Feldman, Sotelo, Furrer, Berio und Maderna, oder auch das schon heute historische Konzert vom März 1993, das im Rahmen der 32. Semana de Música Religiosa de Cuenca stattgefunden hat, mit dem großen Flamencosänger Enrique Morente neben Marcus Weiss als Solisten, dem Concentus Vocalis und dem Klangforum Wien, beide Konzerte unter meiner Leitung. 
 
Im Stück, das wir heute hören, - ein „Doppelkonzert“ für Flöte, Kontrabass und Ensemble -, klingen Materialien aus der Erinnerung an, die eng mit der eben beschriebenen persönlichen Erfahrung verbunden sind. In einem Gutteil der Komposition erinnert die Führung der Solo-Instrumente an das charakteristische Spektrum des Flamenco-Gesangs in der „Solea“, der „Siguiriyas“ oder der „Bulería“, nach der Art der Stimme eines Flamencosängers à la Enrique Morente. Diese Instrumentenführung „Stimme des Schmerzes und Gesang des Seufzens“ (F. de Herrera, Canto I) ist so etwas wie der Horizont, der Rand oder die Grenze von vibrierenden Farbfeldern, die eine Muro Sonoro, eine „Klangmauer“ bilden. Und dieser Raum ruft uns die „Muros de Luz“ (Wall of light) des großen irischen Malers Sean Scully ins Gedächtnis. Klang-Muro-for-Klangforum ist also eine “Muro de Luz”, eine große Klangmauer, in der die intensive Erinnerung an das vibriert, was nicht mehr nur Gedächtnis, sondern Teil unseres Lebens ist: das Ergebnis unserer gemeinsamen Erfahrung. Ein kollektives „Ich“ oder ein „Wir“, gewiss jedoch die unteilbare Einheit von dem, was wir im Laufe der Zeit erleben und dem klanglichen Vibrieren unseres musikalischen Schaffens. Spur, Antlitz und Seele unseres Seins.  (Mauricio Sotelo)
2010 September
MDMDFSS
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