
Jorge Sánchez-Chiong
wurde 1969 in Caracas/Venezuela geboren, und lebt seit 1988 als freischaffender Künstler in Wien, wo ihm die wichtigsten Ensembles für neue Musik zahlreiche Aufträge erteilt haben. Seine Werke, die an der Lebendigkeit und Spontaneität einer Improvisation ansetzen, sprengen den Rahmen der Konzertmusik und setzen sich im Bereich des experimentellen Theaters, der Videokunst, Tanz und Elektronik fort. Schwerpunkt seines Schaffens ist die enge Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen Sparten und Stilrichtungen. Als "akustisches Edel-Geröll", "lustvollvirtuosem Farbenspiel", "aufwüllend”, "kompakt”, "hyper-schnell” und "meisterhaft” , wurde das Werk des kubanisch-chinesisch abstämmigen Komponisten von der deutschsprachigen Kritik gelobt (FAZ, Die Presse, Standard).
In elf Ländern wurden seine Werke gespielt; Uraufführungen fanden u.a. im Musikverein Wien, Konzerthaus Berlin, Mozarteum Salzburg, Concerthus Odense/Dänemark, Konzerthaus Wien, Grazer Kongress statt, sowie im Rahmen von den Salzburger Festspielen, Steirischen Herbst und Wien Modern.
Er studierte in Wien bei Francis Burt und Michael Jarrell, und ist Mitglied des NewTonEnsembles und Mitbegründer Komponistengruppen Gegenklang.
Final Girl 2009
Meine Interesse für die kinematische Ikonografie und Ästhetik des Grauens und der Angst haben mich zu einer langjährigen intensiven film- und kulturtheoretischen Auseinandersetzung mit Horror in all seinen Subgenres gebracht: Groteskes aus Japan und Neuseeland, Raues-Elegantes aus Spanien, Gespenstisches aus Asien, Giallo aus Italien, neues Gore aus Frankreich, US-amerikanische Splatter, Hammer-Movies aus England, Hochglanzproduktionen und Underground-Amateurfilme, Geschichten von Untoten, Psychopathen und Kannibalen: Es war nur eine Frage der Zeit, dass ich diesem Genre eine kompositorische Hommage setzen würde. Diese nahm ihren Ausgangspunkt im Jahre 2006 mit ›final girl‹, ein für Robert Buschek komponiertes Fagottstück, das sich mit der archetypischen Figur der letzten Überlebenden in Splattermovies auseinandersetzt. Die Entwicklung dieses Charakters, der vom Opfer zum Mörder wandelt, sowie seine Subtexte dienen zur Vorlage zahlreicher gender- und kulturtheoretischer Schriften.
Das Projekt wuchs weiter – wie Horror zu wachsen pflegt! – zu einem Netz von Beziehungen und Abbildungen kinematischer Systeme. Mit den Sequels ›final girl – crucifixion‹ (für Turntables) und ›final girl – resurrection‹ (für drei Instrumentalisten), beide im Auftrag von Open Music Graz, entstand 2008 eine Trilogie, die sich nach den Regeln der Horrordramaturgie gestaltete. Im selben Jahr wurde ein Prequel – ›final girl ¬– the beginning‹ – von Dorothee Oberlinger (Tenorflöte) im Auftrag der Wittener Tage für neue Kammermusik uraufgeführt. In Hinblick auf die neuseeländische Gore-Groteske ›final girl – godzownzombie‹ für Pia Palme (Subbassflöte) und mit ›final girl – illinois‹ für elektronische Instrumente starten 2009 und 2010 Kehrtwendungen der Serie mit Uraufführungen in Wellington/Neuseeland und Chicago/Illinois.
Gerade jetzt, wenn alle Splatter-Klassiker ihre Remakes erleben, erscheint ›FINAL GIRL 2009‹. Das Stück ist keine gängige Bearbeitung, keine Orchestrierung oder Übermalung des Originals, es ist ein Remake. Es macht es mit neuen Mitteln wieder, es schreibt mit neuen Produktionsvoraussetzungen erneut, allerdings mit frisch erweckter Freude am Bizarren. (Jorge Sánchez-Chiong)


