
Philippe Boesmans
Philippe Boesmans brach seine Karriere als Pianist just in dem Moment ab, als ihm der erste Preis für Klavier des Conservatoire de Liège zuerkannt wurde und widmete sich ab diesem Zeitpunkt autodidaktisch der Komposition. Ursprünglich stark von der seriellen Technik beeinflusst, entfernte er sich jedoch bald von ihren strengen Vorgaben und Einschränkungen. Ohne seine Verwurzelung in dieser zeitgenössischen Tradition jemals zu verleugnen, entwickelte er eine zutiefst persönliche musikalische Sprache, in deren Zentrum die sinnstiftende Kommunikation mit dem Publikum steht.
Seine Karriere nahm einen vielbeachteten und erfolgreichen Verlauf. 1971 wurde ihm der Italia Preis für Upon La-Mi zuerkannt; außerdem ist er regelmäßiger Gast bei den wichtigsten Festivals für zeitgenössische Musik, wie beispielsweise in Darmstadt, Royan, Zagreb, Avignon, Almeida, Strasbourg, Montreal, beim Ars Musica Festival, in Salzburg sowie beim IRCAM. Zahlreiche seiner Werke wurden auf Platte eingespielt; die Aufnahme seines Violinkonzerts und der Conversions wurde sechs Mal ausgezeichnet, darunter mit dem Koussevitzky International Recording Prize und dem Charles Cros Award.
Mittlerweile in Brüssel beheimatet, übernahm er 1971 die Position eines Produzenten für den TV Sender RTBF; in weiterer Folge bestellte Gérard Mortier ihn zum Composer in Residence am Théâtre de la Monnaie und erteilte ihm Aufträge zu zahlreichen Werken, darunter „La Passion de Gilles“ (1983), die „Trakl-Lieder“ (1987) und seine 1989 entstandene Orchestrierung von Monteverdis Oper „L’Incoronazione di Poppea“. Seine Beziehung zum Théâtre de la Monnaie blieb auch nach der Ära Mortier eine fruchtbare; so gab ihm dessen Nachfolger Bernard Foccroulle 1993 den Auftrag zur Komposition der Oper „Reigen“, basierend auf Schnitzlers Theaterstück, für dessen Librettoadaption der Regisseur Luc Bondy, der die Aufführung auch inszenierte, verantwortlich zeichnete. Diese Produktion war sowohl in Strasbourg als auch am Théâtre de la Monnaie zu sehen; es folgten Gastspiele am Théâtre du Châtelet (1994) und an die Frankfurter Oper (1995). Das Stück war in den neunziger Jahren auch an zahlreichen anderen Häusern zu sehen, darunter der Nantes Opera und am Wiener Opern Theater (1997), in Braunschweig (1998) und in Amsterdam (1999).
Seine Zusammenarbeit mit Luc Bondy setzte Philippe Boesmans mit dem Projekt “Wintermärchen” fort, das 1999 für das Théâtre de la Monnaie entstand. Auch diese Produktion war höchst erfolgreich und wurde im Folgejahr am Opernhaus in Lyon sowie am Châtelet und, 2004, am Liceo in Barcelona gezeigt. Weitere Vorstellungen dieser Produktion waren in Braunschweig (März 2001) und Wien (Februar 2002) zu sehen. Im November 2000 erschien „Wintermärchen“ beim Label Deutsche Grammophon als CD-Einspielung.“Fanfare III” für Aulochrom, ein speziell entwickeltes polyphones Holzblasinstrument, wurde vom SWR Sinfonieorchester Baden-Baden & Freiburg für den belgischen Saxophonisten Fabrizio Cassol in Auftrag gegeben; die Uraufführung fand im Oktober 2002 in Paris statt. Am 8. März 2005 hatte die Uraufführung von Boesmans Oper “Julie”, basierend auf August Strindbergs Stück “Fröken Julie”, am Théâtre de la Monnaie Premiere. Diese Produktion wurde noch an zwei anderen Häusern gezeigt, und zwar bei den Wiener Festwochen im Mai und beim Festival d’Aix-en-Provence im Juli desselben Jahres. Weitere Inszenierungen des Stücks entstanden 2006 in Braunschweig und 2007 am Music Theatre Wales, das mit der Produktion in Großbritannien auf Tournee ging. Im Dezember 2000 erhielt Philippe Boesmans den Prix Arthur Honegger; im Mai 2004 wurde ihm der Prix Musique der SACD zuerkannt.
Mittlerweile in Brüssel beheimatet, übernahm er 1971 die Position eines Produzenten für den TV Sender RTBF; in weiterer Folge bestellte Gérard Mortier ihn zum Composer in Residence am Théâtre de la Monnaie und erteilte ihm Aufträge zu zahlreichen Werken, darunter „La Passion de Gilles“ (1983), die „Trakl-Lieder“ (1987) und seine 1989 entstandene Orchestrierung von Monteverdis Oper „L’Incoronazione di Poppea“. Seine Beziehung zum Théâtre de la Monnaie blieb auch nach der Ära Mortier eine fruchtbare; so gab ihm dessen Nachfolger Bernard Foccroulle 1993 den Auftrag zur Komposition der Oper „Reigen“, basierend auf Schnitzlers Theaterstück, für dessen Librettoadaption der Regisseur Luc Bondy, der die Aufführung auch inszenierte, verantwortlich zeichnete. Diese Produktion war sowohl in Strasbourg als auch am Théâtre de la Monnaie zu sehen; es folgten Gastspiele am Théâtre du Châtelet (1994) und an die Frankfurter Oper (1995). Das Stück war in den neunziger Jahren auch an zahlreichen anderen Häusern zu sehen, darunter der Nantes Opera und am Wiener Opern Theater (1997), in Braunschweig (1998) und in Amsterdam (1999).
Seine Zusammenarbeit mit Luc Bondy setzte Philippe Boesmans mit dem Projekt “Wintermärchen” fort, das 1999 für das Théâtre de la Monnaie entstand. Auch diese Produktion war höchst erfolgreich und wurde im Folgejahr am Opernhaus in Lyon sowie am Châtelet und, 2004, am Liceo in Barcelona gezeigt. Weitere Vorstellungen dieser Produktion waren in Braunschweig (März 2001) und Wien (Februar 2002) zu sehen. Im November 2000 erschien „Wintermärchen“ beim Label Deutsche Grammophon als CD-Einspielung.“Fanfare III” für Aulochrom, ein speziell entwickeltes polyphones Holzblasinstrument, wurde vom SWR Sinfonieorchester Baden-Baden & Freiburg für den belgischen Saxophonisten Fabrizio Cassol in Auftrag gegeben; die Uraufführung fand im Oktober 2002 in Paris statt. Am 8. März 2005 hatte die Uraufführung von Boesmans Oper “Julie”, basierend auf August Strindbergs Stück “Fröken Julie”, am Théâtre de la Monnaie Premiere. Diese Produktion wurde noch an zwei anderen Häusern gezeigt, und zwar bei den Wiener Festwochen im Mai und beim Festival d’Aix-en-Provence im Juli desselben Jahres. Weitere Inszenierungen des Stücks entstanden 2006 in Braunschweig und 2007 am Music Theatre Wales, das mit der Produktion in Großbritannien auf Tournee ging. Im Dezember 2000 erhielt Philippe Boesmans den Prix Arthur Honegger; im Mai 2004 wurde ihm der Prix Musique der SACD zuerkannt.
Poppea e Nerone UA
Als mich Gérard Mortier auf eine neue Orchestrierung von Monteverdis „Incoronazione di Poppea“ ansprach, wünschte er sich eine von einem heutigen Komponisten geschriebene Fassung.
Ich habe ihm sofort geantwortet, dass ich kein Musikwissenschaftler sei und keine historische Rekonstruktion machen wolle.
Um das zu untermauern, schlug ich vor, Instrumente einzusetzen, die nichts mit der Zeit Monteverdis zu tun hatten, Klarinette, Klavier, Harmonium, Synthesizer etc., den Ablauf des Manuskripts, das nur aus melodischen Linien und einem nicht harmonisierten Bass besteht, jedoch melodisch oder harmonisch unverändert zu lassen.
Was mich bei der Arbeit an diesem Manuskript sofort verblüfft hat, ist seine besondere Dramaturgie von Melodik und Rhythmik. Denn jede Figur wird durch melodische Modi und Wendungen charakterisiert. Es war mir sofort klar, dass man daran nichts ändern dürfe. Die Methode, jeder Figur durch eine eigene melodische Linie einen klar festgelegten Charakter zu geben, hat mich persönlich bei meinen eigenen Opern sehr inspiriert.
Ich musste die Partitur auch rhythmisch organisieren: durch die Tempi und ihren organischen Bezug zueinander. Am freiesten fühlte ich mich bei der Orchestrierung des Basso Continuo. Zu einer Dramaturgie für das Orchester versuchte ich durch das Abwechseln von Instrumenten jener Zeit, wie etwa Cembalo oder Orgelpositiv, mit ihrem synthetisch erzeugten Gegenstück zu gelangen (Wechsel und Mischung von Echtem und Falschem).
All diese Mischungen und das Überbordende auf der instrumentalen Ebene waren für mich eine Art, heute barock zu sein. Ich freue mich sehr, dass diese Bearbeitung von einem Ensemble für Zeitgenössische Musik, dem Klangforum Wien, unter der Leitung von Sylvain Cambreling, der mich bei dem Projekt sehr unterstützt hat, aufgeführt wird.
(Philippe Boesmans)
Als mich Gérard Mortier auf eine neue Orchestrierung von Monteverdis „Incoronazione di Poppea“ ansprach, wünschte er sich eine von einem heutigen Komponisten geschriebene Fassung.
Ich habe ihm sofort geantwortet, dass ich kein Musikwissenschaftler sei und keine historische Rekonstruktion machen wolle.
Um das zu untermauern, schlug ich vor, Instrumente einzusetzen, die nichts mit der Zeit Monteverdis zu tun hatten, Klarinette, Klavier, Harmonium, Synthesizer etc., den Ablauf des Manuskripts, das nur aus melodischen Linien und einem nicht harmonisierten Bass besteht, jedoch melodisch oder harmonisch unverändert zu lassen.
Was mich bei der Arbeit an diesem Manuskript sofort verblüfft hat, ist seine besondere Dramaturgie von Melodik und Rhythmik. Denn jede Figur wird durch melodische Modi und Wendungen charakterisiert. Es war mir sofort klar, dass man daran nichts ändern dürfe. Die Methode, jeder Figur durch eine eigene melodische Linie einen klar festgelegten Charakter zu geben, hat mich persönlich bei meinen eigenen Opern sehr inspiriert.
Ich musste die Partitur auch rhythmisch organisieren: durch die Tempi und ihren organischen Bezug zueinander. Am freiesten fühlte ich mich bei der Orchestrierung des Basso Continuo. Zu einer Dramaturgie für das Orchester versuchte ich durch das Abwechseln von Instrumenten jener Zeit, wie etwa Cembalo oder Orgelpositiv, mit ihrem synthetisch erzeugten Gegenstück zu gelangen (Wechsel und Mischung von Echtem und Falschem).
All diese Mischungen und das Überbordende auf der instrumentalen Ebene waren für mich eine Art, heute barock zu sein. Ich freue mich sehr, dass diese Bearbeitung von einem Ensemble für Zeitgenössische Musik, dem Klangforum Wien, unter der Leitung von Sylvain Cambreling, der mich bei dem Projekt sehr unterstützt hat, aufgeführt wird.
(Philippe Boesmans)
