Alberto Posadas, Photo: Esther Cantera

Alberto Posadas

Alberto Posadas wird 1967 in Valladolid geboren. Er absolviert dort erste Musikstudien, die er später in Madrid beendet.
1988 lernt er Francisco Guerrero kennen. Er studiert bei ihm Komposition und sieht in ihm seinen wichtigsten Lehrmeister. Das Treffen wird zum entscheidenden Wendepunkt seiner Karriere. Mit Guerrero entdeckt er neue Techniken für die Gestaltung der musikalischen Form wie etwa die mathematische Kombinatorik und die Fraktale. Sein permanentes eigenständiges Bestreben, das ästhetische Element in diese Verfahren zu integrieren, führen ihn allerdings zu eigenen Kompositionsmodellen: die Übertragung architektonischer Räume auf Musik, die Anwendung der Topologie und perspektivischer Maltechniken oder die Erforschung der akustischen Möglichkeiten im „mikroskopisch kleinen“ Bereich der Instrumente.
 Als Autodidakt beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten der elektroakustischen Musik.

Ab 2006 Mitarbeit am IRCAM bei Projekten mit Live-Electronic in Verbindung mit anderen Kunstsparten wie Video und Tanz. Bei letzterem untersucht er die Beziehung und Anwendung von Bewegung auf die elektronische Klangtransformation. 2006 erhält Alberto Posadas ein Stipendium der Casa de Velázquez Madrid für ein Forschungs-
projekt mit dem Saxofonisten Andrés Gomis über neue Spieltechniken des Bass-Saxofons und dessen Einsatz beim Komponieren. Auftragswerke entstanden für Festivals wie Agora (IRCAM) Paris, Donaueschinger Musiktage, Festival Musica Straßburg, Casa da Música Porto, Ars Musica Brüssel sowie für das spanische CDMC oder die Asociación de Orquestas Sinfónicas Españolas. 2002 Publikumspreis beim Festival Ars Musica Brüssel für sein Streichquartett "A silentii sonitu". Beim Ensemble intercontemporain wird er in das „reading panel 2003/04“ gewählt; in der Folge erhält er auch einen Auftrag für dieses Ensemble.


Seine Musik wurde bei Festivals wie UltraSchall Berlin, Encontros Gulbenkian Lissabon sowie bei den oben erwähnten Festivals aufgeführt. Gespielt werden seine Werke von renommierten Interpreten wie dem Ensemble intercontemporain, Ensemble L’itineraire, Ensemble Court-Circuit, Nouvel Ensemble Moderne, Quatuor Diotima, ArdittiString Quartet, Orchestre National de France, Orchestre Philharmonique du Luxembourg etc., unter Dirigenten wie Arturo Tamayo, Pascal Rophé, Pierre-André Valade oder Beat Furrer.
 Seit 1991 Unterrichtstätigkeit als Professor für Werkanalyse, Harmonielehre und kompositorische Grundlagen, die er derzeit am Musikkonservatorium von Majadahonda (Madrid) ausübt.

La lumière du noir
Die Ausstellung  im Winter 2009 am Pariser Centre Pompidou, die den Werken von Pierre Soulages gewidmet war, machte einen starken Eindruck auf mich, speziell seine Produktionen aus den 80er Jahren.

Ich dachte sofort, dass seine Gemälde, speziell sein Konzept des „outrenoir“, eine starke Verbindung mit der Welt des Klangs haben könnten. 

Das ist der Hintergrund zu dem Stück „La lumiére du noir“, das sich an der Bilderwelt Soulages orientiert und als Hommage an ihn gedacht ist. 

Das Stück basiert auf der Vorstellung, Licht aus der Dunkelheit zu extrahieren. Dieses scheinbare Paradoxon ist  in Soulages Gemälden beheimatet, wo Licht aus der Dunkelheit auftaucht und durch die Reflexion, die von der Textur des Gemäldes ausgeht, durch die Art und Weise, wie die Farbe auf den Untergrund appliziert ist, verwandelt wird. Auf ähnliche Weise kommt es in „La lumière du noir“ zu einer Verwandlung des musikalischen Materials, das durch strukturelle Verfahren gefiltert wird. So entsteht aus Zuständen tiefer Dunkelheit und Undurchsichtigkeit eine größere Leuchtkraft und Transparenz.

Das Schwarz in Soulages‘  Bildern wird zu einer Quelle von umgebendem Licht, das seinen eigenen Raum erschafft. In diesem musikalischen Werk kommt es dazu, dass das Material sich zeitweise gegenseitig absorbiert, dann wieder reflektiert;  es erschafft damit ebenfalls einen topologisch charakteristischen Raum.

Bei Soulages ist das Schwarz jeglicher symbolischer Bedeutung beraubt und erhält seine Aussagekraft als das bildhafte Objekt selbst. Es ist eine Farbe, die die spezifische Vorstellung von Farbe transzendiert, um zur Materie zu werden. Ähnlich in „La lumiére du noir“: Der Klang ist die musikalische Materie selbst, er erhält seine Bedeutung als ein Objekt, das von der speziellen Ausprägung der benutzten Instrumente herrührt.
(Alberto Posadas)