Stefano Gervasoni

Stefano Gervasoni

Stefano Gervasoni wurde 1962 in Bergamo geboren. Er begann 1980 auf Anregung von Luigi Nono, Komposition zu studieren. Diese Begegnung, ebenso wie sein Zusammen-
treffen mit Brian Ferneyhough, Peter Eötvös und Helmut Lachenmann stellten sich als entscheidend für seine weitere Karriere heraus. Nach dem Besuch des Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand vervollständigte Gervasoni seine Studien 1990 in Ungarn bei György Ligeti und anschliessend in Paris, wo er 1992 die vom IRCAM organisierte Ausbildung in Komposition und Computer Musik absolvierte. Seine ersten drei Jahre in Frankreich bildeten das Fundament seiner internationalen Karriere, die ihm 1995 – 1996 den Aufenthalt als „pensionnaire“ an der Villa Medici ermöglichte.

Er ist einer der bedeutendsten italienischen Komponisten der Gegenwart und schreibt Auftragswerke für das Ensemble Intercontemporain, den WDR in Köln, den SWF Baden-Baden, das Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI, das Festival d’Automne in Paris, Radio France, IRCAM, die Casa da Musica in Porto, das Festival Archipel in Genf, die Maerzmusik in Berlin, Ars Musica in Brüssel und die Suntory Hall in Tokyo.
Seine Arbeiten – darunter Kammermusik und Stücke für Gesang, Konzerte, Werke für großes Orchester und für Ensembles – werden seit 1987 bei Ricordi und seit 2000 von Edizioni Suvini Zerboni – Sugarmusic SpA verlegt. Eine ausschliesslich seinen Werken gewidmete CD unter dem Titel „Antiterra“ mit den Stücken „An“, „Animato“, „Antiterra“, „Last Bee“, „Godspell“ und „Epicadenza“ wurde jüngst in Frankreich vom Label Aeon herausgebracht. Sie präsentiert „eine musikalische Welt von großem Reichtum, Raffinesse und Feinheit, sowohl im Ausdruck als auch introspektiv, die sofort unsere Aufmerksamkeit erweckt.“ (Philippe Albèra)

Gervasoni wurden Stipendien der Fondation des Treilles in Paris und des DAAD in Berlin sowie zahlreiche internationale Preise verliehen. Außerdem nahm er am Forum für Junge Komponisten in Köln und dem Klangforum Seminar in Wien teil, er unter-
richtete im Rahmen der Darmstädter Ferienkurse, an der Fondation Royaumont in Paris, der Toho Universität in Tokyo, dem Internationalen Festival Campos do Jordão in Brasilien, am Shanghai Conservatory, der Columbia University New York und der Harvard University in Boston. Zur Zeit unterrichtet Stefano Gervasoni Komposition am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse in Paris und ist “resident composer” am Contemporary Arts Centre der Domaine de Kerguéhennec (Bretagne) bis 2011.

Froward UA
Die Etymologie des englischen Worts "froward" ordnet der Gegenbewegung ("from - ward", also das Gegenteil zur direkten Vorwärtsbewegung, wie sie durch die Begriffe "toward" und "forward" ausgedrückt wird) eine Palette von nicht gerade positiv konnotierten Bedeutungen zu: dagegen sein, unbequem, widerspenstig, wenig gefällig sein, die Neigung zu haben, sich gegen alles zu wenden, was Vernunft, Regeln und Gebräuche vorschreiben; eine Tendenz zu irren also, in zweierlei Hinsicht: Fehler zu machen und den rechten Weg nicht zu finden. 
"Kap Froward" ist aber auch ein geographischer Ort, der südlichste Punkt des südamerikanischen Kontinents, 1587 vom englischen Seefahrer Thomas Cavendish entdeckt, der ihm diesen Namen aufgrund seines unwirtlichen Aussehens gab. 


All dies steht in einem gewissen Zusammenhang mit dem Geiste Liszts, dem die Veranstaltung "Pèlerinages -  Kunstfest Weimar 2011" verpflichtet ist. Die Parabel des Lebens und der Kunst Liszts umfasste Tabubrüche wie mondäne Gefälligkeit, beides begleitet von seiner avantgardistischen Natur (einem Entdecker gleich, der neue Länder erforscht, indem er bis dahin nie überschrittene Grenzen überwindet) - Tendenzen, die in einem lebendigen, oft widersprüchlichen und konfliktreichen Verhältnis zueinander stehen. Bis hin zur erlösenden und Frieden bringenden letzten Sublimierung in den Jahren nach 1862, als Liszt beschloss, sich in das Kloster Madonna del Rosario in Rom zurückzuziehen, wo er später die niederen Weihen empfing. "Um meiner Brüder und Freunde willen, will ich dir Frieden wünschen. Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen": So steht es in Psalm 122 (121),  "Ein Wallfahrtslied", das Liszt 1884 für gemischten Chor, Orgel, zwei Trompeten, zwei Posaunen und Pauken instrumentierte, und auf das es in meiner Komposition, wenn auch nicht explizite, Andeutungen gibt. (Stefano Gervasoni)