
Beat Furrer
Beat Furrer wurde 1954 in Schaffhausen geboren und erhielt an der dortigen Musikschule seine erste Ausbildung (Klavier). Nach seiner Übersiedlung nach Wien im Jahr 1975 studierte er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Dirigieren bei Otmar Suitner sowie Komposition bei Roman Haubenstock Ramati.
Im Jahr 1985 gründete er das Klangforum Wien, das er bis 1992 leitete und dem er seitdem als Dirigent verbunden ist. Im Auftrag der Wiener Staatsoper schrieb er seine erste Oper „Die Blinden“ (ausgehend von Maurice Maeterlincks Stück und Platons Höhlengleichnis), die bei Wien Modern 1989 uraufgeführt wurde. Unter Claudio Abbado gelangte 1991 „Face de la Chaleur“ im Wiener Musikverein zur Aufführung. Seine Oper „Narcissus“ wurde 1994 beim steirischen herbst an der Oper Graz uraufgeführt, bei den Salzburger Festspielen 1996 das Konzert für zwei Klaviere und Orchester "nuun", in diesem Jahr war er "Composer in residence" bei den Musikfestwochen Luzern. Es folgten u.a. 1998 die Uraufführung von "spur" für Klavier und Streichquartett in Wien, "still" für Ensemble mit Klavier in Zürich, 1999 das Hörtheater "Stimme allein" an der Oper Bonn, "Quartett" für vier Schlagzeuger im Opernhaus Düsseldorf. 2001 wurde „Orpheus Bücher“ in Donaueschingen sowie das Musiktheater "BEGEHREN" beim steirischen herbst in Graz konzertant uraufgeführt, 2003 die szenische Fassung. An der Oper Zürich wurde 2003 die Oper „invocation“ uraufgeführt und 2005 das Hörtheater „FAMA“ in einem eigens dafür gebauten Klangraum bei den Donaueschinger Musiktagen. Sein Konzert für Klavier und Orchester erlebt im November 2007 beim WDR Köln seine Uraufführung.
Seit Herbst 1991 ist Furrer Ordentlicher Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz. Eine Gastprofessur für Komposition nimmt er seit 2006 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt wahr. 2004 erhielt er den Musikpreis der Stadt Wien, seit 2005 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 2006 wurde er für FAMA mit dem Goldenen Löwen bei der Biennale Venedig ausgezeichnet.
XENOS Szenen I-IV
weil ich, seit die Sonne, als der Wind, der immer weht, gedreht hat, daß der Sand zur Seite fiel, windstill, aufgegangen ist, daß der Tag anbrach und bricht, im Licht dich wie du mich und wieder sehe, sehe ich, während, wie, wie ich sehe, immer deine Stirn, die Augen, Mund, das Haar, der Hals und deine Schultern, Brust und Arme, deine Hände atmen, wie die Hände, Brust und Arme, deine Schultern und der Hals, Haar und Mund, die Augen, deine Stirn noch atmen, daß du, während, Schweiß auf allem, Stirn und Augen, Mund und Haar, Hals, die Schultern, Arme, Brust und Hände atmen, in der nächsten Stunde gehst, wie ich sehe, seit der Wind, der immer weht, gedreht hat, daß der Sand zur Seite fiel, windstill (Beat Furrer)
Die Wüste ist ein Ort des Fremden. Sie ist Sinnbild einer unfasslichen Leere, Metapher für den Tod und das Nichts und immer wieder Projektionsfläche für die Angst vor dem Verlust der Erinnerung. Zahlreiche Autoren haben sich mit dem Phänomen Wüste in ihren Texten auseinander gesetzt. Ingeborg Bachmanns dem „Todesarten-Projekt" entnommene „Wüstenbuch-Fragmente" sind hierfür eindrückliche Beispiele. Beat Furrer und Händl Klaus haben sie zu Teilen in den textlichen Entwurf ihres neuen Musiktheaters einfliessen lassen. Eine weitere Säule des Librettos bildet ein von Händl Klaus neu geschriebener Text sowie Gedichte von Angel Valente, Nazim Hikmet und der altägyptische Papyrus 3024, in dem ein Unbekannter seine Sehnsucht nach dem Tod niederschrieb. Der Papyrus wird in der neuen Übertragung von Jan Assmann verwendet, der in seinem Aufsehen erregenden Buch „Tod und Jenseits in Ägypten" zahlreiche Totentexte sammelte und so einen entscheidenden Beitrag über das Verhältnis der Alten Ägypter zum Tod, über die Gleichzeitigkeit von Todesritual und vitaler Lebensfeier lieferte. (Quelle: Theater Basel) Wüstenbuch
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