
Georges Aperghis
Georges Aperghis wurde 1945 in Athen geboren. Er lebt und arbeitet seit 1963 in Paris. Er teilt sein Leben zwischen seiner rein kompositorischen Arbeit und dem „théâtre musical“, als dessen aktivster und dauerhaftester Vertreter er gilt. Sein musiktheatralisches Schaffen beginnt mit dem Stück La tragique histoire du nécromantien Hieronimo et de son miroir, das er für das Festival von Avignon, einem profilierten Ort für das zeitgenössische Theater, komponierte. 1976 gründete er das „Atelier Théâtre et Musique” (ATEM), das seinen Sitz bis 1991 in Bagnolet hatte und seither am „Théâtre Nanterre-Amendiers“ beheimatet ist. Mit dieser äußeren Struktur erneuerte er von Grund auf auch seine kompositorische Praxis: In ständiger Zusammenarbeit mit Musikern und Schauspieler-Sängern entwickelt er nach und nach während der Proben szenische Spiele, die vom Alltagsleben, von sozialen Fakten, in poetische – oft satyrische oder absurde Welten transportiert sind. Alle Dimensionen der Komposition (vokale, instrumentale, gestische, szenische) werden auf gleicher Ebene behandelt und tragen – zusätzlich zu den vorher existierenden Texten – zur Dramaturgie des jeweiligen Schauspiels bei. Von 1976 bis 1995 sind aus der Zusammenarbeit zwischen Aperghis und ATEM mehr als 20 „théâtres musicals“ entstanden.
Daneben aber blieb er der Kammer- und Orchestermusik treu. Er komponierte eine Reihe von Werken für Instrumente oder Stimme allein, meist für Interpreten, die ihm nahe stehen. Oft fließen auch in diese Stücke theatralische Momente ein. Dazu kommt die Oper, die bei Aperghis als eine Synthese beider Pole betrachtet werden muss: Hier der Text als bestimmendes und befruchtendes Element, dort die Stimme als Hauptträger des Ausdrucks. Seine Oper Tristes tropiques nach Lévi-Strauss wurde von der Opéra du Rhin in Straßburg beim Festival Musica 1996 uraufgeführt.
Les Boulingrin
Schon lange wollten Jérôme Deschamps und ich etwas zusammen machen. Beide hatten wir das dringende Bedürfnis nach einem irgendwie ungekünstelten Lachen, und so suchten wir ein komisches Sujet. In „Les Boulingrin” von Courteline fand ich vier gut gezeichnete Figuren, eine abwechslungsreiche Geschichte und eine Einheit der Handlung mit einem sparsamen Dialog: das Stück bietet sich als Libretto an. Außerdem entsprach die Mischung aus Komödie und Hölle genau unseren Vorstellungen. Wir haben uns mehrere Male getroffen und begonnen, uns die Welt so auszumalen, die wir auf die Bühne bringen wollten: eine Szenerie, inspiriert von Jacques Tatí. (Georges Aperghis)
Seesaw für Instrumentalensemble
Ausgehend von einem bewusst einfach gewählten Material habe ich ganz viele winzigkleine Bewegungen konstruiert, die aufeinanderfolgen, sich gegenseitig beeinflussen und sich manchmal in einem Spiel von Spiegelungen weiterentwickeln. Wie „Anfänge“ ohne Ende, die nur flüchtig existieren, sich unaufhörlich gegenseitig unterbrechen und nur kurz in Erinnerung bleiben. Das Paradoxe daran ist dann, dass sie zu einer großen Bewegung werden, die schließlich dieses Stück bildet. (Georges Aperghis)


