Peter Ablinger

Peter Ablinger

Peter Ablinger wurde 1959 in Schwanenstadt in Österreich geboren. Nach einem Graphikstudium begeisterte er sich zunächst für den Free Jazz, und ab 1979 studierte er Komposition bei Gösta Neuwirth und Roman Haubenstock-Ramati in Graz und Wien. Seit 1982 lebt Ablinger in Berlin, wo er über 8 Jahre an der Musikschule Kreuzberg lehrte und 1988 das Ensemble Zwischentöne gründete. Er initiierte oder leitete eine ganze Reihe von Festivals und Konzertreihen: 1990-92 die Klangwerkstatt, 1996 Zeit Geben 1-3, 1997 die Insel Musik, 1998 Zehn Jahre Zwischentöne, 1999 Musik für Orte 1-3. Als Gastprofessor lehrte er im Wintersemester 1992/93 an der Musikhochschule Graz, ansonsten ist er seit 1990 freischaffend. 1996 war Ablinger Gastkomponist des IEM Graz und Stipendiat der Heinrich Strobel Stiftung und 1998 erhielt er den Förderpreis des Kunstpreis Berlin.

Kammersymphonie aus Instruments &
Kultur/Wahrnehmung/Raster
Kultur und Wahrnehmung auf der einen Seite.
Wirklichkeit und Welt auf der anderen.
 
Wahrnehmung ist wie Kultur etwas Erlerntes, und daher für verschiedenen Menschen; Kulturkreise oder geschichtliche Zeiten keinesfalls identisch. Wahrnehmung ist das Anwenden eines (kulturbedingten) Wahrnehmungsrasters auf die Welt. Wahrnehmung ist somit ein Annäherungsversuch – oder auch eine Vergröberung –, je nachdem ob der Raster (unser Verhältnis zur Welt) sich gerade ausdifferenziert oder aber abstrahiert. Wahrnehmung (und Kultur) sind also digital, im Gegensatz zur analogen Welt. Und wie nahe wir an die Welt herankommen hängt gewissermaßen von der Pixelgröße unseres Wahrnehmungsapparates ab. Eine „hohe Auflösung“ bedeutet ein realistisches Weltverständnis, eine geringere Auflösung dagegen ein abstraktes Verhältnis zur Wirklichkeit. Aber wie fein die Auflösung auch immer sein wird, niemals wird unsere Wahrnehmung analog werden, niemals die Welt erreichen.
 
Das aber hat zur Folge, daß der Gegensatz von Differenzierung und Abstraktion gar kein Gegensatz ist, sondern lediglich eine graduelle Unterscheidung auf ein und derselben Skala, und zweitens keinerlei Werturteil erlaubt (näher dran ist nicht besser als weiter weg), daß die Wahrnehmung feinster Nuancen sowie auch die vergröbernde Zusammenschau der Dinge lediglich verschiedene Muster sind, mit denen wir uns ausstatten können, bzw. Werkzeuge, die wir je nach Anwendungszweck anders skalieren. Einmal mag die – metaphorisch gesprochen oder nicht – „photorealistische“ Auflösung, ein andermal die in plane Farbflächen aufgelöste Abstraktion uns das geeignete Werkzeug sein, um uns selbst die Welt zu erklären, um den Erklärungsmechanismus - der die Welt für uns erst erzeugt – selbst zu verstehen.
 
 Postskriptum/(ein Wunschbild?):
 
In meiner Vorstellung steht der „digitalen“ Kultur die Kunst ebenso als analog gegenüber wie die Welt (- zumindest gelungene Kunst, zumindest das Ideal von Kunst): Als etwas Nicht-Begriffenes, auch: Nicht-Begreifbares, sondern als etwas das einzig dazu gemacht scheint, uns INDEM wir zu begreifen versuchen, begreifen was wir überhaupt begreifen KÖNNEN, und vor allem, daß es da auch etwas gibt, was wir NICHT (begreifen) KÖNNEN. (Peter Ablinger) 
2010 September
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