© Alexander Kaiser
© Alexander Kaiser
Portrait Kaser
© Haymon Verlag

Alexander Kaiser - schwarzes licht (becoming Kaser)

...zu allem lust & auch zu nichts... heißt es im Gedicht Ich bin ein Faß des 1987 verstorbenen Schriftstellers N. C. Kaser. Ich komme wie Kaser selbst aus Südtirol, bin ein halbes Jahrhundert später an denselben Orten aufgewachsen. Gemeinsam mit dem 2017 überraschend verstorbenen steirischen Dramatiker und Theatermacher Ernst Maria Binder habe ich zuletzt am Libretto für eine Oper gearbeitet, das das Leben und Wirken Kasers im Allgemeinen, und das Gedicht Ich bin ein Faß im Speziellen als Ausgangspunkt hat. Angefangen vor über drei Jahren, ursprünglich begonnen als ein Projekt an der Kunstuniversität Graz im Rahmen von „Oper der Zukunft“, ist die Geschichte mehr und mehr gewachsen. Geplant als eine Kurzoper ist uns schnell klar geworden dass im Werk Kasers noch so viel mehr verborgen liegt, was es wert zu entdecken war. Somit begannen wir unsere Geschichte nach und nach zu erweitern, sie wachsen, mutieren und transformieren zu lassen. Im Mittelpunkt steht nun der Künstler und Mensch Kaser, der ein Kind gebärt, schwanger. Schwanger mit Kunst, mit Krankheit, gezeichnet von Alkoholsucht und Leberzirrhose, zwischen geistigen Leerstellen und kreativem Gestaltungsdrang. Wissend dass er sich am Ende seines Lebens befindet, der angeschwollene Bauch lässt sich nur mehr schwer verbergen, beginnt die Geschichte mit Kaser allein auf einer Bank. In der Hand hält er eine tote Katze. Sie stinkt und ist flach wie eine Scheibe Brot. Dabei folgt das Libretto einem Dialog: zwischen Kaser, gesungen von einem Countertenor und mehreren fiktiven Personen, die in wechselnden Rollen mal vertrauter Gesprächspartner, dann distanzierter Beobachter sind. Es gibt das Volk, einen Priester, die Tante, einen Freund und ein Kind. Textfragmente Kasers - frei bearbeitete Prosa und Lyrik, sowie Briefwechsel - werden in Bruchstücken neu organisiert, assoziiert und kombiniert, der Rhythmus der Sprache mal bewusst gebrochen, dann wieder tragend und so wie vom Schriftsteller intendiert. Jedes einzelne verwendete Wort stammt dabei aus der Feder N.C. Kasers.

schwarzes licht (becoming Kaser) ist eine Komposition für Ensemble und zwei Stimmen, die zu diesem Libretto hinführen soll: Ein Prolog (work in progress), der für sich stehen kann, zugleich aber vorbereitet auf diesen unwirklichen Moment des schwangeren Künstlers. Ein Moment der Irritation, des Unbehagens. Ähnlich dem Gefühl, sich im Schwarzlicht zu bewegen, ultravioletter Strahlung ausgesetzt zu sein. Auch der Stücktitel ist einem Gedicht Kasers entnommen, dessen Sprache für mich in dieser Komposition immer wieder abstrakter/konkreter Bezugs- und Anknüpfungspunkt war, und deren Eigenheiten ich in musikalische Parameter übersetzt habe. Das Fragile in der Sprache Kasers etwa, das immer wieder spür- und hörbar wird, wenn in Momenten großer Intensität Stimmen übereinander geschichtet werden, Linien ineinander laufen und sich verwirren, zu einer wuchtigen Klangwolke anwachsen, die dann aufgebrochen wird: Eine Weinflasche, die auf dem Boden zersplittert und ausläuft. Dabei organisiert sich diese Komposition um mehrere musikalische Zentren, die inspiriert sind von der formalen Konsequenz des Schriftstellers: dessen Verzicht auf Großbuchstaben und Satzzeichen, der verspielten wie präzisen räumlichen Organisation seiner Texte, den Wortbrechungen. Zentren als Gerüst, um die die einzelnen Stimmen kreisen, Zentren, die jeweils für sich stehen, zugleich aber auch aufeinander einwirken. Voneinander isoliert und doch ineinander verwoben sind.

[TRANSART_17] SCHWARZES LICHT (BECOMING KASER) from Festival Transart on Vimeo.

23 September 2017
19.30 Uhr
Bruneck, Kaserne Enrico Federico Transart Festival Schwarzes Licht UA

Simone Movio — Logos III
Hannes Kerschbaumer — schraffur

Alexander Kaiser — Schwarzes Licht
UA des 1. Teiles

Noa Frenkel, Alt
Daniel Gloger, Countertenor
Krassimir Sterev, Vierteltonakkordeon
Dirigent: Bas Wiegers

Top