© Ciril Horjak

Vito Žuraj — Tension

In Tension suche ich nach unterschiedlichen Kommunikations- und Koordinationsmöglichkeiten innerhalb des Ensembles, in Form von polyphonischen Gestalten, die sich aus der Analyse von sogenannten „fruchtbaren Fehlern“ ergeben.

Fruchtbare Fehler und deren produktives Potential als Hauptthema finde ich sehr reizvoll. Im Sommer 2010 hatte ich eine derartige Erfahrung, wodurch ich Tonmaterial gewonnen habe, das ich in meinem Schaffen bis heute einsetze. Im ExperimentalStudio des SWR Freiburg habe ich mit Gregorio Karman am neuen Werk Zgübleni für Alt, Ensemble und Live-Elektronik gearbeitet. Das Violoncello ist das aktivste Instrument des Stücks und als Cellist spielte ich Klänge selber ein, die Gregorio dann durch die Algorithmen fuhr. Einer der Effekte, an denen wir gebastelt haben, war ein Multipass-Filter. Diesen habe ich mit dem K-Bow, einem speziell eingerichteten Bogen, der durch unterschiedliche Sensoren Bogendruck und -position via Bluetooth an den Rechner sendet, gesteuert. Als wir mit einer etwas zu kleinen reinen Quinte und einer großen Sekunde als Standardabstände für die Filterpässe herumgespielt haben, trat beim übermäßigen Bogendruck Rückkopplung ein und die Kontrollfrequenz (Sinuston) schien plötzlich unkontrolliert in den erwähnten zwei Intervallen herumzuirren. Erstaunt über das Eigenleben des Algorithmus, aber auch über die Ungewöhnlichkeit des Klangs, habe ich Gregorio gebeten, das Ergebnis laufen zu lassen und es aufzunehmen. Den Klang habe ich anschließend analysiert, auf temperierte Intervalle quantisiert und den Prozess so weit rekonstruiert, dass ich ihn steuern und damit Notenmaterial erstellen konnte. Seitdem habe ich den Algorithmus öfter für Tasteninstrumente eingesetzt, denen durch das Verfahren eine eigenwillige Virtuosität verliehen wurde.

Mit meinem Auftragswerk für die Wittener Tage möchte ich noch einen Schritt weiter gehen. Mit den MusikerInnen des Klangforum Wien, die für die Besetzung meines neuen Werks vorgesehen sind, möchte ich individuelle Tryouts gestalten – sie nach bestimmten Vorgaben improvisieren lassen und dabei gezielt auf „Nebenprodukte“ achten, die ich im Nachhinein analysieren werde. Das auf diese Weise gewonnene Musikmaterial wird zu meinem Klangvokabular für die neue Komposition. Welche Form genau diese annehmen wird, wird sich durch den Arbeitsprozess mit den MusikerInnen ergeben
—Vito Žuraj, 2017

7 Mai 2018
19.30 Uhr
Wien, Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal grenz.wert Kontinentaldrift und Pangaea EA EA EA

Amerika, Australien, Europa. – Die präzise Passung der Schelfränder, der unter Wasser liegenden Küstenlinien der Kontinente, zeigt die Grenze nicht als Trennlinie, sondern als Verbindungsnaht. Pangaea – eine Erde.

Ashley Fure — Neues Werk EA
Vito Žuraj — Tension
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Liza Lim — Extinction Events and Dawn Chorus
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Sophie Schafleitner, Violine
Dirigent: Peter Rundel

27 April 2018
20.00 Uhr
Witten, Saalbau Witten, Festsaal Wittener Tage für neue Kammermusik Tension UA UA UA

Vito Zuraj — Tension UA
Agata Zubel — Cleopatra's Songs
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Yann Robin — Übergang
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Agata Zubel, Stimme
Dirigent: Emilio Pomàrico

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