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Hannes Kerschbaumer – schurf I

Die Werke der schurf-Serie weisen eine grundlegende Idee auf, nämlich die klangliche Erforschung einer einfachen auf- oder absteigenden Linie.
 In Urzeiten, noch vor Entstehung der Höhlenmalereien, haben Naturereignisse Linien von besonderer Schönheit geschaffen – Kritzungen von sich über Jahrtausende hinweg langsam bewegenden Gletschern.
 Der Mensch hat sich diese Zeichen zu Eigen gemacht und daraus ein hochkomplexes Zahlen- und Schriftsystem entwickelt.

schurf I ist das erste Werk dieser Serie und entwickelt Basismodelle für eine neue Ästhetik der Körperlichkeit von Klang, welche auf Klangkontinua zwischen Geräusch und Ton (teilweise durch Präparierung des Instruments) sowie dem ständigen Fluktuieren von Tonhöhen (Glissandi) basiert.

Das Werk spiegelt besonders in seiner Verbindung von menschlicher Stimme und Streichinstrument die Zusammenarbeit mit der Geigerin Sophie Schafleitner wider: ihre außergewöhnliche Fähigkeit, ihre Singstimme mit der Geige in dermaßen hohem Grad zu verschmelzen, dass daraus eine vollkommen individuelle Klanglichkeit entsteht (Verwendung von Mikrotonaliät, Geräuschklängen, Kombination von Singen und Pfeifen). Das Ineinandergleiten und Amalgamieren zweier schwingender Körper lassen einen neu zu denkenden Organismus entstehen.
—Hannes Kerschbaumer, 2017

Hannes Kerschbaumer ist Preisträger des Erste-Bank-Kompositionspreises 2017.



Hannes Kerschbaumer — schraffur

Die Jahrhunderte alte Technik der Schraffur schafft Plastizität und Räumlichkeit durch das Überlagern und Anordnen von Linien in bestimmten Dichtegraden. Wird dieses Prinzip nun auf die Musik übertragen, entstehen musikalische Gesten aus differenzierter Anordnung von Linien – ausschließlich Linien. mehr

22 November 2017
19.30 Uhr
Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal Wien Modern schraffur /Erste Bank Kompositionspreis UA EA EA

Der 1981 in Brixen/Südtirol geborene, in Innsbruck lebende Hannes Kerschbaumer ist Erste Bank Preisträger 2017. Zwei seiner insgesamt vier heuer im Festival zu hörenden Werke stehen auf dem Programm des Preisträgerkonzerts – an der Seite von Griseys großartigen „Vier Liedern, um die Schwelle zu überschreiten”. (Wien Modern)

Gérard Grisey — Quatre chants pour franchir le seuil
Hannes Kerschbaumer — schraffur EA
     — schurf I UA
Beat Furrer — Kaleidoscopic Memories EA

Katrien Baerts, Sopran
Sophie Schafleitner, Violine
Uli Fussenegger, Kontrabass
Krassimir Sterev, Vierteltonakkordeon
Peter Böhm, Klangregie
Dirigent: Emillio Pomàrico

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