© Ross Karre

Ashley Fure — Neues Werk

Meine Arbeit beschäftigt sich mit ritueller Abstraktion, chaotischer Materie und Berührung. Ich benütze taktile, haptische Klänge, um Intensitäts-Felder zu gestalten, die nicht auf ein Narrativ, auf Repräsentation oder einen Text angewiesen sind. Entfremdung, Abstraktion und eine instinktive Stofflichkeit, die quasi aus den Eingeweiden kommt, sind die Kennzeichen dieses ästhetischen Terrains. Meine Kompositionstechnik wechselt regelmäßig zwischen akustischen und elektro-akustischen Kontexten und von Konzertmusik zu erweiterten intermediären Formen. Letztere Projekte verbinden Klang, Licht und kinetisches Material zu energetisch aufgeladenen, multisensorischen Milieus, die zugleich immersiv (wie beispielsweise in Kunstinstallationen) als auch zeitlich geformt sind (wie in der Musik). Meiner Wahrnehmung nach befriedigen diese wortlosen Rituale ein Bedürfnis nach modernen Riten, losgelöst von Dogmen, Ideologie und Bekehrung. Meiner Ansicht nach benötigen wir mehr denn je rituelle Räume, um die drohenden globalen Krisen kollektiv zu bewältigen und uns mit zeitlichen Dimensionen zu verbinden, die über unsere eigenen hinausreichen. Und doch – die Riten, die wir geerbt haben, sind an Sekten und Sippschaften gebunden, die nur einem kleinen Bruchteil von uns dienen. Meine Arbeit zielt auf diese Abwesenheit, indem sie ritualisierte, intuitive Abstraktionen anbietet, die auf ein post-humanes Terrain verweisen.

Meine Konzertmusik und meine intermediären Installationen stehen in einem fraktalen Verhältnis zueinander: Erstere versucht im Mikroformat, was Zweitere im Makrobereich verwirklichen. Im Septett Something to Hunt (2014) beispielsweise, lasse ich die tiefste Saite des Kontrabasses so weit „entstimmen“, bis sie locker genug ist, um gegen das Griffbrett zu schlagen, wenn sie gespielt wird. In The Force of Things: An Opera for Objects (2017) streicht ein Musiker über ein aus dem Flugzeugbau stammendes Stahlseil, das um einen massiven Block aus Styropor gewickelt und 65 Fuß lang über die immersive Installation gespannt ist, in der das Publikum sitzt. Beide Gesten erzeugen reiche, wilde Multiphonien und eine Wellenbewegung, die so langsam ist, dass sie mit freiem Auge wahrgenommen werden kann. Während ich in Something to Hunt die Identität des Instruments verändere, um seinen Objektkörper konkreter werden zu lassen, wird in The Force of Things das Objekt selbst zur Skulptur. Im einen Fall werden Instrumente verdinglicht, im anderen Objekte instrumentalisiert. Beide Bereiche suchen, lebhafte ästhetische Begegnungen in Szene zu setzen, die – wie Francis Bacon es einst für seine Farben erhoffte – das Hirn umgehen und direkt ins Nervensystem Eingang finden.
—Ashley Fure, 2017

7 Mai 2018
19.30 Uhr
Wien, Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal grenz.wert Kontinentaldrift und Pangaea EA EA EA

Amerika, Australien, Europa. – Die präzise Passung der Schelfränder, der unter Wasser liegenden Küstenlinien der Kontinente, zeigt die Grenze nicht als Trennlinie, sondern als Verbindungsnaht. Pangaea – eine Erde.

Ashley Fure — Neues Werk EA
Vito Žuraj — Tension
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Liza Lim — Extinction Events and Dawn Chorus
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Sophie Schafleitner, Violine
Dirigent: Peter Rundel

28 April 2018
20.00 Uhr
Witten, Blote Vogel Schule Wittener Tage für neue Kammermusik Epigram UA UA

 

Frank Bedrossian — Epigram Ι - ΙΙΙ UA (Teil III)

Ashley Fure — Neues Werk UA

Donatienne Michel-Dansac, Sopran
Dirigent: Emilio Pomarico

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