Hanna Eimermacher — Musiktheater

Seit vier Jahren arbeite und forsche ich an diesem Projekt.

Ich möchte ein Musiktheater kreieren, das von Anbeginn Klang, Bewegung, Bild, visuelle Strukturen und Raum in einer Gesamtwahrnehmung vereint. Daher strukturiere und komponiere ich alle diese Ebenen gemeinsam und erforsche, wie sie miteinander verbunden sind und in Wechselwirkung zueinander stehen. Sobald ich einen Baustein verschiebe, ändert sich das Gesamtgefüge. Dieser kreative Erfahrungsprozess setzt bei mir, den MusikerInnen sowie den HöererInnen gleichermaßen neue Elemente frei und ermöglicht neue Perspektiven, die alle unsere Sinne aktivieren und schärfen.

Dieser Prozess wird in den kommenden Monaten in gemeinsamen
Workshop-Phasen mit den MusikerInnen des Klangforum Wien und dem Bühnenbildner und Lichtdesigner Daniel Levy in Gang gesetzt.

MusikerInnen selbst sind hier für mich Instrument und „Verstärker“ zugleich. Sie verkörpern und schaffen eine Welt, die wir betreten können; eine Welt jenseits von Worten und Begriffen. Die Koordinaten unseres Körpers bilden Raumachsen und Raumunterteilungen. Durch die choreographierten Spielbewegungen der MusikerInnen verschieben und verformen sich diese Räume. Das Bühnenbild wird zur Verlängerung und Vergrößerung dieser Raum- und Hörachsen.

Wie höre ich, wenn das Licht auf einen leeren Kubus scheint und aus dem dunklen Teil der Bühne – nicht sichtbar – ein Tutti-Ensembleklang erschallt? Licht zeigt uns üblicherweise an, worauf wir schauen sollen. Wenn nun diese Gewohnheiten verschoben werden, öffnen wir uns auf allen Ebenen, richten unsere Aufmerksamkeit von Baustein zu Baustein und erleben so neue Erkenntnisräume. Visuelle Wahrnehmungen unterstützen und beeinflussen demnach unser Hören. Unsere Hörempfindung verändert sich je nachdem, auf welches Bild und auf welche Bewegung der gehörte Klang trifft. Eine Farbfläche, die in einem bestimmten Kontext auftaucht, kann so zum Beispiel weiterklingen, ohne dass gespielt wird. Eine aufwärtsgehende Bewegung und ein abwärtsgehender Klang bilden einen neuen, andersartigen Raum – man muss einen völlig neuen Blick darauf werfen.

Wenn ich diese Wechselwirkungen bei meiner Komposition bzw. Inszenierung in den Vordergrund stelle, werden ZuschauerInnen und MusikerInnen gleichermaßen involviert, haben die Möglichkeit einzutauchen, zu entdecken und werden jede/r für sich ein eigenes Erfahrungsspektrum ausbilden. Mir geht es darum, nicht nur Informationen weiterzugeben, sondern einen lebendigen und aktiven Erfahrungsraum zu schaffen. Denn es sind die scheinbar bekannten Dinge, die – neu zusammengesetzt – bei genauem Hinschauen andersartige, wundersame und magische Gebilde schaffen: Formen, die wir vorher nicht wahrgenommen, gesehen, gehört, durchdacht, erfahren haben.

Diese Momente, Orte der Frische und Unmittelbarkeit, benötigen wir, um die Details in ihrem Fluss und ihrer Vereinigung lebendig wahrzunehmen – hier erst wird es spannend und magisch. An diese Orte möchte ich Sie mit meinem Musiktheater herzlich einladen. Erleben Sie eine Welt voller Entdeckungen!

(Hanna Eimermacher, 2016)

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